Presse und Verlautbarungen

Rede Dehnberger Forum 2008 - Michael Dömer

29.09.2008

Lieber Herr Frey, lieber Herr Finkbeiner,
Hochverehrte Theatergäste,
meine sehr geehrten Damen und Herren,


wir hörten zu Beginn die Ouvertüre aus „Also sprach Zarathustra“. Ich möchte ein Zitat aus dem Werk von Friedrich Nietzsche hinzufügen und an den Anfang des Tages stellen: zur Verinnerlichung eines jeden:
„Dem wird befohlen, der sich nicht selbst gehorchen kann“.

Ich begrüße Sie herzlich zum 4. Dehnberger Forum!
Ich freue mich in diesem Jahr wieder, sowohl auf dem Podium wie im Plenum, sehr hochkarätige und sympathische Menschen zu treffen.

Ich freue mich auch über das große Interesse der Presse, die erneut ihre besten Redakteure geschickt hat. Ich betone immer wieder auf’s Neue, dass die Presse, die veröffentlichte Meinung, ein sehr wesentlicher Faktor für die Zukunft unserer Branche ist. Ich begrüße Sie herzlich.

Zum 4. Mal möchte ich an den Anfang meinen Dank an manroland – insbesondere Herrn Finkbeiner mit seinem Vorstand und Herrn Frey als Gastgeber richten.

Zum einen natürlich, weil Sie mir erneut das Vertrauen geschenkt haben, diese Veranstaltung mit Ihnen inhaltlich zu konzipieren und zu moderieren. Insbesondere danken aber dafür, dass Sie der Druckindustrie ein solch intelligentes Forum ermöglichen.

 Übergreifend mit Ihnen, Kollegen und Referenten über Zukunft nachzudenken – damit hat Dehnberg weiterhin ein Alleinstellungsmerkmal, ein unternehmerisches Forum!

Dehnberg ist quasi das Davos der Print – Industrie. Unternehmer und Führungskräfte, die sich nur mit der Tagesarbeit auseinandersetzen, die ausschließlich Technik beherrschen und nur auf Kundenwünsche und Markt reagieren, werden Schwierigkeiten bekommen, denn wir stehen in einer sehr entscheidenden Zeit, was die Zukunft unserer Branche und der einzelnen Unternehmen angeht.

Gerade in diesen Wochen kann man wohl ohne Übertreibung sagen: Die Lage ist ernst!

Zukunft, Trends, meine Damen und Herren, die entstehen nicht von selbst! Unser Leitspruch, der auf der Einladung für das 4. Dehnberger Forum steht, lautet: „Zukunft ist eine Frage der Haltung.“ Nicht linear die Fortsetzung der Vergangenheit! Prognosen sind meist falsch, insbesondere wenn sie von Analysten kommen.

Ich bemühe, wie beim 1. Dehnberger Forum, erneut den Faust. Es ist eines der wichtigsten Zitate für uns alle: „Es ist der Geist, der sich den Körper baut“ – oder einfach: Die Zukunft ist eine Frage der Haltung.

Und hier liegt unsere größte Herausforderung in der Print – Industrie, zugleich unsere größte Schwachstelle und damit auch die größte Chance: Wir müssen an uns selbst glauben, an die Wertigkeit und Zukunft. Nicht naiv und blauäugig Realitäten verdrängen, nicht stur festhalten an alten Gewerbeformen – sondern modern, zukunftsorientiert und mit dem Geist, ein Industriezweig auf mindestens gleicher Augenhöhe mit unseren Geschäftspartnern zu sein.

In diesen Tagen, in denen der Kostendruck eine elementare, aktive und selbstbewusste Marktpolitik unter betriebswirtschaftlichen Aspekten verlangt, ist dies nötiger denn je.

Deshalb unser Rahmenthema:

Neupositionierung

Wir wollen beide Formen der Betonung berücksichtigen:

      Neu POSITIONIEREN
      NEU positionieren

Neu positionieren bedeutet: wieder Boden unter den Füßen zu haben, Position zu beziehen, die diese Branche und das Unternehmertum früher hatte und heute weiterhin allen Grund hat, wieder zu haben.

Neu positionieren dort, wo die Rahmenbedingungen es erfordern, aus der Klassik des grafischen Gewerbes in die Zeit der Druckindustrie mit Professionalität einen Standort und Standpunkt einzunehmen.

Meine Damen und Herren,

die Druckindustrie und mit ihr die gesamte Lieferindustrie steht in diesen Monaten und Jahren an einem markanten Scheidepunkt:

Entweder Stagnation, gar Resignation oder Positionierung zum Erfolg.

Ich will noch nicht von Krise sprechen, aber wir haben u. a. zwei entscheidende Krisenszenarien:

1.        eine Ertragskrise
2.        eine Identitätskrise

Beides hängt unmittelbar zusammen und das positive, von dem ich überzeugt bin: beides können wir sehr schnell lösen.

Die aktuelle Ertragskrise, die durch enorme Kostensteigerung verstärkt wird, ist lösbar durch eine Verbesserung der Identität als selbstbewusste Branche mit Zukunft. Zudem brauchen wir einen Paradigmenwechsel, um zur betriebswirtschaftlichen Vernunft zu finden:

Neupositionierung -> vom Mengenwachstum zum Margenwachstum


Wir haben keine Marktkrise, wenn wir das nicht wollen! Weder gibt es Anzeichen, dass Print von elektronischen Medien verdrängt wird – nach ZAW sind es 4 %, die den Anteil E-Commerce am Werbekuchen derzeit ausmachen - noch ist die Reduzierung von Werbung ein Mittel, den Konsum zu stimulieren.

Ja, es wir Veränderung in den Strukturen auch durch
E-Commerce geben, aber doch nicht Untergang, so wie es die aktuell veröffentlichte Meinung oftmals glauben macht. Das erfolgt allerdings als self fullfilling prophecy dann, wenn alle den Selbstmord aus Angst vor dem Tod begehen.

Wie ist die Stimmung der Marktteilnehmer?

Wenn nicht wir, wer dann bildet die Lobby für Print?
Wenn nicht wir, wer dann überzeugt den Printbuyer, dass nachlassende Print – Werbung seine Erfolge ruiniert?

Wenn nicht wir, wer dann ist zuständig, den Bürgern unseres Landes klar zu machen, dass Werbung und jede Art von Print – Publikation ein lebenswichtiger Bestandteil eines freien Marktes ist?

Ohne Information keine Demokratie, ohne Werbung keine Vielfalt und Freiheit des Konsumenten.
Print hat einen gesellschaftspolitischen Wert, Print ist zudem Investitionsbranche, Innovationsbranche und Arbeitgeber für viele Menschen.

Wer, wenn nicht wir, bringen die Menschen zum Nachdenken, was die Einstellung, die hinter dem Aufkleber „keine Werbung bitte“ steht, im oben genannten Sinne für Auswirkungen hat?
Tun wir das ausreichen als Lobby??

Deshalb Dehnberg! Deshalb neu positionieren, wo sich Rahmenbedingungen ändern, wo wir kein Selbstbewusstsein, keine Position mehr vertreten.
 
Das ist die Aufgabe jedes Einzelnen, der hier sitzt.
Das ist aber auch die Aufgabe einer Branche und der Lieferkette. Wo keine Druckerei, da kein Papier, keine Farbe, keine Druckmaschine. Das muss als Erkenntnis nun recht bald und endlich zu gemeinsamen Anstrengungen führen!

Und deshalb beschäftigen wir uns hier und heute nicht mit Maschinenbreiten, Zonenschrauben und Steuerungssoftware, sondern mit Märkten, Management und Perspektiven.

Und deshalb haben wir Referenten eingeladen, die in Ihren Bereichen zur Elite gehören, deshalb sind Sie hier, um dann gemeinsam Lösungen zu finden, „den Geist, der unsere Zukunft baut“.

Wir wollen hören, diskutieren, kreativ sein – wir wollen handeln, raus aus dem Selbstmitleid und Opferstories.

Theater und Kunst haben die Aufgabe betroffen zu machen, den Horizont zu erweitern, zum Nachdenken zu bewegen.
Theater und Kunst sollen aber auch Freude machen.

Deshalb ist es schon symbolträchtig und genau richtig für eines der interessantesten Ereignisse der Druckindustrie ein Theater zu wählen.

Seien Sie heut bitte nicht nur Zuhörer und Zuschauer, sondern machen Sie mit, stellen Sie in der anschließenden Podiumsdiskussion Ihre Fragen, seien Sie kritisch, gerne auch zustimmend, unterstützend.

Ich wünsche uns gemeinsam einen interessanten und auch schönen Theatertag. Vielen Dank.


Michael Dömer

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