Presse und Verlautbarungen

Online Handelskongress 2012


Wie bereits in 2011 startet auch dieses Jahr wieder mit einer Flut an Kongress Angeboten über die Zukunftsstrategien des Onlinehandels und Online-Marketings. Das Opening bestritt der Branchen Kick-Off Jahreskongress Online Handel 2012 des Management Forum der Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH Ende Januar in Bonn unter dem Motto „Online wird zu No-Line Handel“ .

Insgesamt rund 50 (!) Vorträge – aufgeteilt in 3 parallele Sessions über 2 Tage: Das war ein gewaltiges Programm und oft hatte man die Qual der Wahl. Positiv die insgesamt gute Organisation. Das futuristische und anspruchsvolle Hotel Kameha Grand in Bonn am Rhein war der richtige Rahmen (alles fließt). Die Frage ist nur, ob nicht weniger mehr wäre. Manch ein Vortrag war „fast food“, manch anderer nur eine Produktpräsentation von Herstellern. Die Zeit für Nachfragen und erst recht für Diskussionen war zu kurz. So mancher vermeidliche Trend muss wirklich infrage gestellt werden. Wie so viele Hypes – es kommt dann doch anders als man denkt.

Zunehmende Verschmelzung der Vertriebskanäle

Mit zunehmender Internetnutzung und rasantem Anstieg der Nutzung mobiler  Endgeräte, wie Smartphones und Tablet-Computer,  verschmelzen in den kommenden Jahren die Online- und Offline-Vertriebskanäle zu „Multi-Channel-Systemen“. Die  nächste Entwicklungsstufe  des Multi-Channeling gilt  dem sogenannten No-Line-Handel.  Die unterschiedlichsten Absatzkanäle vernetzen sich in einer Intensität, dass der Kunde sie als getrennte Verkaufsplattform gar nicht mehr wahrnimmt. 

Die Kunden nutzen mind. 2 Vertriebskanäle, wobei hier informieren, vergleichen und kaufen die Nutzungsmotivationen darstellen.  So kommt der Onlinehandelhandel unaufhaltsam in die Läden. Eine völlig neue Marktsituation entsteht, denn der Kunde vergleicht nicht nur stationär vs stationär, sondern on/offline.

Chance und Risiko

Den Onlinehandel auch im Stationärgeschäft einzubinden ist wiederum eine –insbesondere für große Handelsformate/Warenhäuser-  durchaus positive Entwicklung. Zumindest in den USA erleben große Betriebsformen, wie JC Penney oder Nordstrom geradezu eine Renaissance im Wechselspiel des Informierens und Kaufens durch die Einbindung von Touchpoint Countern, oder Ausstattung des Personals mit Tablet Endgeräten. Doch die Chancen, die mit der wachsenden Zahl der Kommunikationskanäle verbunden sind, stellen zugleich auch ein erhöhtes Risiko dar: Ein Kunde, der im Internet, auf dem Smartphone oder dem Tablet-PC ein schlechtes Nutzererlebnis hat, meidet höchstwahrscheinlich auch den stationären Laden oder umgekehrt. Dieser kann sich selbst komplett ins Abseits bringen.  Betroffen sind hier insbesondere die kleinen und mittleren Handelsunternehmen, die noch gar nicht die Zeit , Ressourcen oder das Kapital hatten eine komplett professionalisierte Multi Channel  Vertriebsstruktur aufzubauen.

Was heißt das für Unternehmen?

Zum einen: die Zukunft wird wieder real, im Laden, man kann sie wieder “fassen“.

Zum anderen: wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung und können uns dem Online Trends nicht entziehen, denn die Welt von morgen wird eine andere sein. Der Kunde kauft anders, kommt auf vielfältigste Weise ins Geschäft – und - damit er kommt, dafür muss der Handel deutlich mehr tun.

Wo stehen die Unternehmen?

Zur Zeit beschäftigen sich die meisten Mittelständler immer noch mit der Frage, ob sie überhaupt online gehen sollen. Haben sie diese Einsicht gewonnen, wissen sie auch, dass sie  gleichzeitig auch die Einbindung in das Social Commerce vornehmen müssen, war doch 2011 geprägt von Horrorszenarien, für den, der keine Follower hat. Es ist allerdings deutlich stärker zu differenzieren, was überhaupt „social media geeignet“ ist. Die Prognosen der Fan- Gemeinde schießen weit über das Ziel hinaus.

Und der nächste Trend steht auch schon vor der Tür – Mobile Commerce auf allen erdenklichen Endgeräten, Kunden, die nur noch bewaffnet mit ihrer mobilen Preissuchmaschine von einem QR Code zum nächsten shoppen.

Print bleibt

Interessant, dass die Freaks auf dem Kongress unter sich bleiben. Das Wort Print kommt selten vor, Gäste aus diesem Segment sind eine kaum wahrzunehmende Randgruppe. Interessant aber die Realität: In keinem Bereich geht es ohne. Im Gegenteil: Immer mehr Internet-Shop-Anbieter entdecken das Medium Katalog und Mailling oder Plakat. Zalando, Net a porter sind da nur prominente Beispiele. Auch der stationäre Händler, der ins Netz geht, nutzt zunehmend Print. Die Werbewirtschaft wird Markenbildung nicht alleine via Internet erreichen. Die Printbranche aber muss aus der Starre des Selbstmitleids raus. Es gibt eine neue Welt. Die ist Multichannel und Multimedia – in allen Bereichen ist Crosskompetenz ein „must have“.

Die Veranstaltungen und Summits der Zukunft werden entsprechend auch mehr Differenzierung und Komplexität brauchen. Das wird geschehen, wenn der Hype des Neuen sich legt.

Kaufmann bleiben statt Trendsurfen

Wie soll sich ein Unternehmer nun realistisch verhalten? Den Laden besser gleich schließen, oder alles mitmachen, ohne genau zu wissen, ob und wann der return on invest kommt?

Gibt es eine Lösung?

Ja, es gibt sie: gesunder „Menschenverstand“ und „Kaufmann“ bleiben.

Wer nur alles mitmacht in der Onlineschwarmintelligenz ist ein Getriebener, der off- u. online untergeht. Step by step herantasten, testen, messen, verstehen, Ableitungen treffen und das Ruder in der Hand behalten.

Das ist die Aufgabenstellung an den Handel. 

Wenn etwas gemacht wird, aber bitte professionell, sonst wird’s teuer.

Güster, den 13.02. 2012 
Michael Dömer

Zurück zur Startseite