Presse und Verlautbarungen

Rede „Netzwerk Weilimdorf“

15.10.2004

Lieber Herr Dr. Conrady, meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich freue mich sehr, heute bei Ihnen quasi auf der Premierenveranstaltung eines für die Zukunft festen Termins für Unternehmer aus Baden-Württemberg sprechen zu dürfen. Ich bin sicher, dass der Begriff „Netzwerk Weilimdorf“ im Laufe der Zeit zu einem Markenzeichen wird.

MAN-Roland ist damit, sehr geehrter Herr Finkbeiner, mit Sicherheit trendbestimmend. Viele nehmen das Wort Netzwerk in den Mund, es geschieht aber wenig in der Praxis. Ich bin überzeugt, dass die Bewältigung von Zukunft nur im Netzwerk funktioniert – sowohl horizontal wie vertikal. Netzwerke zwischen Druckern, deren Lieferanten und Kunden aber auch Netzwerke zwischen mehreren Druckunternehmern. Vor vielen Jahren haben Sie damit ja bereits angefangen und auf der vorletzten DRUPA Print City ins Leben gerufen.

Diese Netzwerke, meine Damen und Herren, sind mehr - müssen mehr - sein als Absichtserklärungen und Geplauder. Das bedeutet aber auch, dass ein Mentalitätswechsel stattfinden muss. Gerade im Mittelstand lebt man gerne in der Selbstständigkeit, Unabhängigkeit, will seinen Weg gehen ohne von anderen gestört zu werden. Dieses Umdenken im Tagesgeschäft ist nicht so einfach, aber nötig. Vor allem werden auch Netzwerke einen Leader brauchen, sie müssen letztlich geführt werden. Sie stagnieren sonst, werden vor sich hindümpeln, statisch werden.

Ein eigenes spannendes Thema, aber nicht meines am heutigen Tage.

Es ist ein interessantes Programm heute, zielführend, pragmatisch. Es trifft den Kern der Situation der Druckindustrie. Es geht zur Zeit nicht in erster Linie darum, ob und welche Druckmaschine ich kaufe, sondern darum, ob und wie Sie mit einem Druckunternehmen überhaupt Geld verdienen können.

Damit komme ich kurz zur Situationsbeschreibung: Ja, die Lage ist ernst! Eine unglaublich hohe Anzahl von Insolvenzen in unserer Branche zeigt, dass es nichts zu verniedlichen gibt.

Wir haben zwei Aspekte:
Der eine ist die gesamtwirtschaftliche Krise. Sie ist zum Teil hausgemacht! Sie ist politisch.

Wer Politik macht gegen den Jobmotor Mittelstand, wer Politik macht gegen Leistung und Eliten, der muss sich doch nicht wundern, wenn’s nicht mehr funktioniert. Was ist da in den letzten Jahren von der Politik gesündigt worden, was für ein inkompetenter Unsinn erzählt worden! So manch einer hat gelernt, nicht mit vollem Mund zu sprechen. Es sollte es aber auch nicht mit leerem Kopf tun.

Die meisten, ob Politiker oder Konzernlenker müssen doch nicht wirklich Konsequenzen tragen für weitreichende Fehlentscheidungen. Ein Herr Urban bekommt zur Belohnung eine Vertragsverlängerung, damit die Abfindung höher ausfällt. Ein anderer, der die Weichen für einen Druckmaschinenhersteller – mit Inkompetenz und großen Sprüchen falsch gestellt hat, darf hochdekoriert Eisenbahn spielen.

Was ist mit Ihnen im Mittelstand, wenn so etwas geschieht? Ich kenne einige, die in letzter Minute noch ihr Haus und ihre Lebensversicherung eingebracht haben und nach dem Knall ohne vernünftige Altersvorsorge da stehen. Auf der anderen Seite:
Wenn es Ihnen richtig gut geht, erleben sie Neid und einen Finanzminister, der sie dafür bestraft.

Wir haben eine Krise des Systems. Aber nicht, weil unser System Marktwirtschaft nicht mehr das richtige ist, sondern weil man die Marktwirtschaft entartet hat, scheibchenweise ausgehöhlt hat. Die Krise des Systems überwinden wir nur, wenn wir zu den Wurzeln des Systems zurückkommen.

Wurzel heißt lateinisch radex, daraus leitet sich das Wort „radikal“ ab. Leider ein oft missbrauchtes Wort. Ich bin überzeugt, wir müssen – gerade als Unternehmer – wieder radikal marktwirtschaftlich denken und handeln und zwar in unserer Volkswirtschaft und auch in den Unternehmen, ihren Unternehmen.

Was ist da für eine unglaubliche und unverantwortliche Einstellung entstanden im Laufe der Jahre: Mit weniger Arbeit, mit weniger Kampfgeist, mit weniger Eigenverantwortung kann Wohlstand und Erfolg erreicht werden? Auf der anderen Seite werden die belächelt und bestraft, die mehr leisten, mehr einbringen. Wie kann ein halbwegs gebildeter und logisch denkender Mensch so etwas glauben?

Sie glauben es nicht, aber Sie lassen es zu! Bis hin zu dem Schwachsinn, dass Lohnerhöhung stattfanden, obwohl die Branche nachweislich im Minus steckte. Ist das zu verstehen? Wenn nicht, warum schlucken Sie es dann, bezahlen Beiträge dafür?

Die Folgen sind sichtbar und sie werden dann zu einer deutlich größeren Krise führen, wenn wir nicht radikal – von der Wurzel – wieder zur Marktwirtschaft zurückkehren. Der Sturm im Wasserglas – genannt Agenda 2010 – ist da nur eine Aspirin gegen einen Tumor. Die Gefahr ist, dass eine leichte Belebung der Wirtschaft dazu führen könnte zu sagen – alles wieder gut. Die darauffolgende Krise würde schnell und tiefer kommen.

Das ist kein Schreckenszenario, das ist Ansporn zum Handeln an Sie, ja, an Sie ganz persönlich. Ich komme darauf zurück.

Wie sieht nun die Situation in der Branche, im Bogenoffset aus? Lassen Sie mich nur ein paar Merkmale beschreiben:

1. Ständig sinkende Erträge, eine Insolvenzwelle auf Rekordniveau

2. Zunehmende Probleme im unternehmerischen Selbstverständnis. Irgendwann hat doch mal jemand das Unternehmen gegründet mit dem Ziel, Geld zu verdienen, unabhängig zu sein und hat dadurch Arbeitsplätze geschaffen, konnte soziale Leistungen erbringen. Muss man das heute hinter verhohlener Hand sagen?

3. Zunehmende Schwierigkeiten der Kreditbeschaffung. Da brauchen wir übrigens nicht erst das Inkrafttreten von Basel II.

4. Schlechte Eigenkapitalquote, auch bedingt durch zu hohe Steuern

5. Drei Jahre hintereinander rückläufige Werbeinvestitionen auf der einen, Ausbau von Kapazitäten auf der anderen Seite

6. verändertes Kundenverhalten – Partnerschaften und Kundentreue rückläufig, Anforderungen erhöhen sich

7. der Preis wird zentrales Vergabekriterium

8. aus allem: Verdrängungswettbewerb, Preiskampf. Fast täglich schlagen Sie die Hände über dem Kopf zusammen und fragen sich, wie ihr Kollege (sie haben inzwischen andere Begriffe für ihn gefunden) solch einen Preis überhaupt machen kann. Glauben Sie mir – er versteht sie auch nicht. Da sitzt jeder im Glashaus.

9. Das Insolvenzrecht schafft seine neuen Fälle selbst. Fatale Auswirkungen hat dieses Gesetz häufig. Aber: wenigstens ein Bereich unserer Wirtschaft, dem es richtig gut geht.

Der Insolvenzverwalter genießt und schweigt. Während des vorläufigen Verfahrens werden drei Monate keine Lohnkosten nötig, Zins + Tilgung ist meist ausgesetzt, für Abschreibungen interessiert sich der Verwalter nicht so wirklich. Und dann macht er Preise, die das Herz des Wettbewerbers höher schlagen lassen. Manches Unternehmen wird verkauft – ob das Wort verkaufen richtig ist, will ich nicht beurteilen. Der Erwerber setzt natürlich seinen Kaufpreis kalkulatorisch an und weiter geht das muntere Treiben.
Übrigens: fast alle Meldungen über Insolvenzen sind optimistisch: Wir sind gut ausgelastet. Na, wenigstens etwas.

10. Ganz aktuell kommt noch Freude von der Papierseite – die Preise steigen. Ach ja, bloß die Preiserhöhung nicht an den Kunden weitergeben. Sie haben es doch bestimmt in Verkaufsseminaren gelernt: Sie sollen im Herzen des Kunden denken. Dieses Herz freut sich gar nicht, wenn sie Preise erhöhen wollen.

11. Der Kunde gibt Ihnen aber andere Möglichkeiten, ihm eine Freude zu machen. Er schreibt es Ihnen sogar:
Sie dürfen ihm einen Bonus geben für bereits fakturierte Umsätze aus dem letzten Jahr.. im Sinne einer auch weiterhin guten Zusammenarbeit in der Zukunft.
Ein Trend, der im Rollenoffset und Verpackungsdruck schon alt ist, wird jetzt im Bogenoffset verstärkt.

Ich könnte mit der Situationsanalyse fortfahren, nun möchte aber mit Ihnen mehr darüber nachdenken, wo Lösungsansätze zu finden sind.


Hat es überhaupt noch Sinn, Druckunternehmer zu sein?

Ja, meine Damen und Herren, es hat Sinn und es wird auch wieder Freude machen – vorausgesetzt, Sie wollen sich nicht nur Unternehmer und Führungskräfte nennen, sondern sie wollen auch die Eigenschaft dieser Spezies annehmen, dazu gehört Konfliktbereitschaft und klare Linie.

Die schwierige Lage hat übrigens auch etwas mit Marktwirtschaft zu tun. Für die Mehrzahl der Bogenoffsetunternehmen ist der Markt nicht international, eher regional. Die Ausgangsbedingungen sind für alle gleich, sofern sie nicht gegen subventionierte Unternehmen aus den neuen Ländern antreten müssen. Übrigens ein drastischer Verstoß gegen Marktwirtschaft.

Wir haben also offensichtlich ein Überangebot an Unternehmen gegenüber der Nachfrage. Und das regelt der Markt. Doch: jeder geht davon aus, dass nicht sein Unternehmen verschwindet. St. Florian läßt grüßen. Das ist gut so.

Und damit sind wir bei den Lösungen. Sie müssen auf diesem Spielfeld besser sein als die anderen – ganz einfach! Und jetzt wieder meine Lieblingsbotschaft: durch mehr konsequente Anwendung marktwirtschaftlicher Grundregeln in Ihrem Unternehmen. Und das geht nur mit viel Konsequenz und radikalem Handeln. Sie glauben es nicht? Worum geht es dann, wenn 5 nach 12 ein externer Sanierer kommt?

Zunächst: was wird falsch gemacht, was erlebe ich als Berater, wenn ich zu angeschlagenen Unternehmen komme? Daran kann man’s ja leichter erklären:

1. Abwarten, Prinzip Hoffnung

Kennen Sie die Geschichte von dem kleinen Mann in Indien, der jeden Tag ins Kino geht? ....

Dieses Hoffen ist eines der größten Probleme. Frühwarnsysteme werden ignoriert bis zum ersticken. Ja, man macht sich Sorgen, unternimmt hier und da was. Aber man geht nicht an die Wurzel, sondern macht immer wieder eine Füllung in den faulen Zahn statt einer Wurzelbehandlung – weil die tut weh.
Übrigens ist der Fall Karstadt/Quelle ein Beispiel für ignorantes Aussitzen und Aktivitäten auf Nebenschauplätzen. Ein Thema, das mich sehr emotionalisiert. Dieser Herr Urban hat nicht nur dem Konzern großen Schaden zugefügt, sondern auch der Druckindustrie und Wirtschaft. Viele Handlungen sind nicht die Ethik eines ordentlichen Kaufmanns. Kapitäne der Wirtschaft waren einmal Vorbilder für die Jugend, für den Nachwuchs!!!

2. Man greift zur wohlschmeckenden Medizin statt zur bitteren. Haben sie mal gezählt, was da in den letzten 10 Jahren an Managementmethoden in Symposien, Büchern und Zeitschriften serviert wurde? Die Welt der Softies. Stellen Sie sich vor, diese Rezepte würden in einem anderen Bereich angewandt, wo es auch ums Siegen geht, beim Sport. Ich muss da wohl nichts weiter erläutern.

Eine Frechheit, ein Führungskitsch und eine Konsenzsoße, die zur Krise ihren Beitrag geleistet hat. Ich bin immer wieder überrascht, wie sehr sich manche Unternehmer für viel Geld in diese schöne Welt entführen lassen. Das meiste hat nichts mit Leistung zu tun, mit Individualität, im Gegenteil.

Ich habe z. B. schon vor Jahren auf offener Bühne gegen diesen überzogenen Trend vom Teamgequatsche gekämpft.

Es ist eine Art Opium fürs Management und der Kater kommt bei der Rückkehr in die Realität. Gehen sie ruhig mal trendsurfen. Wo sind die ganzen Päpste, die die japanische Heilslehre an deutsche Mittelständler verkauft haben? Als es in Japan zum Zusammenbruch kam, haben die sich neue Felder gesucht und kommen als Metamorphosen mit etwas Neuem zurück.

Wollen wir wetten?

Wenn das Wachstum in China so anhält, werden wir bald von den chinesischen Erfolgsrezepten lesen – endlich neue Bestseller.

3. Problembereich:

Und der ist verständlich, wenn man die Situation in den Unternehmen kennt. Angst und keine Zeit haben. Wir erarbeiten Lösungen, klar, übersichtlich, zum Anfassen, aber manchmal eben auch etwas echte Kurskorrektur. Dann geht’s ans Umsetzen. Und dann kommen die Argumente – im Moment schlecht, weil.... der Auftrag muss durch, der Herr X ist im Urlaub und dann gehe ich, Frau Y sollten wir nicht verprellen usw.

Es erinnert mich an meine ersten Berufsjahre, wo das Management ein lange geplantes Seminar über Zeitmanagement kurzfristig abgesagt hat: aus Zeitmangel.

Meine dringende Empfehlung: wenn Sie ihr Unternehmen auf Erfolgskurs bringen wollen, dann seien Sie dazu zunächst auch wirklich bereit zu kämpfen, die Konsequenzen durchzustehen. Wer sich zum Marathon anmeldet weiß vorher, was auf ihn zukommt und sagt erst dann: ich mache es.

Christian Wulff, der Ministerpräsident von Niedersachsen hat vorige Woche gesagt, als er aus der Kultusministerkonferenz austrat: „Wer eine insgesamt verstaubte Institution modernisieren will, der muss damit rechnen, dass dabei Staub aufgewirbelt wird.“ Wie wahr! Sie werden immer einen Aufschrei und Widerstand erleben, wenn Sie etwas ändern wollen. Wenn Sie das beeindruckt, dann haben Sie den falschen Beruf!


Meine Damen und Herren,
ich denke wir sind uns im Bogenoffset – und um den geht es heute – einig in folgenden Kernpunkten:

1. Print hat Zukunft – insbesondere der Bogenoffset. Die Produkte werden individueller, mehr Vielfalt, sinkende Auflagen.
Ihr Kunde möchte sich aus der Vergleichbarkeit mit seinem Produkt abheben. Papierqualität, Farbraumerweiterung, Lack, Format, Möglichkeiten von Haptik, Besonderheiten der Weiterverarbeitung, Logistik – das sind steigende Anforderungen, das sind die Stärken des Bogenoffsets. Es ist quasi mehr Einzelfertigung als Serienfertigung, wenn sie mir diesen kleinen Vergleich erlauben.

2. Leider bleibt der Preis ein zentrales Kriterium bei der Auftragsvergabe – es wird eher schlimmer und die Bereitschaft da mitzumachen, bekommen wir auch durch Appelle an die Vernunft nicht weg, da müssen wir Realisten sein. Es ist wie es ist!

3. Die Technologie bietet uns eine Vielzahl von Möglichkeiten sowohl der Produktgestaltung als auch besonders der Produktionsoptimierung. Das Problem liegt darin, dass Fortschritte entweder 1:1 an den Kunden weitergeben werden – oft bevor sie im Haus sind.

Wenn wir uns in diesen Punkten einig sind, finden wir auch hier die Lösung.

1. Marktbearbeitung und Verkauf

Wenn die Anforderungen des Marktes sich ändern, dann muss dies auch der Verkauf tun. Der Kunde braucht mehr offensive Beratung als die meisten ihm geben. Viele sagen, tu ich doch. Leider ist das Illusion. Ich führe derzeit ein Projekt durch, in dem ich Gespräche mit einer Vielzahl von Kunden führe: überall ist man mit der Beratung unzufrieden. Das Buhlen um die Anfrage und das Preisgespräch stehen im Vordergrund. Die Konsequenz:

1. Die Fachkompetenz des Verkaufs muss ständig aktualisiert werden. Der Druckingenieur im Verkauf ist gebraucht. Lassen sie sich nicht erzählen, die Branche sei zu technisch orientiert. Quatsch und ein alter Hut. Sie bieten ihren Kunden doch Spitzentechnologie zur Herstellung seines Produktes. Die Druckindustrie ist eine hervorragende technische Branche. Der Kunde fordert, dass sie ihm immer einen Schritt voraus sein müssen. Schauen sie sich an, ob ihr Verkäufer nicht nur teuer, sondern in diesem Sinne wirklich gut ist. Reine Preisverkäufer sollen zu Lidl gehen.

2. Führen Sie den Verkauf innen und außen straffer. Die Damen und Herren mögen das gar nicht, ich weiß. Wenn sie Spitzenleistungen bringen ist das ok.
Doch: auch sie als Unternehmer müssen ihre Pläne und Ergebnisse vorlegen – sie lesen – hoffentlich – jeden Monat Zahl für Zahl ihrer BWA. Und oft will das auch ihre Bank. Wieso ist es Majestätsbeleidigung, wenn der Verkäufer nach seinen Besuchsberichten und Planungen gefragt wird. Marktwirtschaft verlangt hohen Einsatz und Messbarkeit der Leistung.

3. Behandeln sie die Mitarbeiter im Verkauf - wie woanders übrigens auch – ungleich. Fördern sie die individuelle Spitzenleistung, schaffen sie die Elite im Unternehmen. Das geht nur, wenn Sie es sehr gezielt tun – ein Eliteprogramm. Nicht nach dem Motto: manche Leute sind deshalb so weit gekommen, weil sie keine Fähigkeiten hatten, warum man sie unten behalten wollte.

4. Analysieren sie regelmäßig intensiv ihre Auftragsstruktur. Ein weites Feld. Mit wem verdienen sie wirklich Geld? Haben Sie Mut, sich von Kunden zu trennen.

Zur Technik und damit auch zum Schwerpunkt unserer Veranstaltung heute.

Meine Damen und Herren,

hier liegen erhebliche Reserven. Winken Sie nicht voreilig ab. Machen Sie ein knackiges Programm und geben sie – je nach Größe und Organisation ihres Unternehmens – ihrem Abteilungsleiter oder technischen Leiter oder sich selbst den Auftrag, ganz konkret nach festzulegenden Kriterien jeden Monat über die Optimierungsschritte verbindlich anhand von schriftlichen Ausführungen zu berichten. Das hat nichts mit Unternehmensgröße zu tun!

z. B.
• Nutzungsgrad mit Details: warten auf Platte, warten auf Papier, warten auf Tasche, Sonstiges (besonders beliebt)

• Genauere Analyse des Papierverbrauchs

• Laufleistung

• Rüstzeiten auf die Minute genau

Sie haben heute dazu einige Parameter gehört. Ich finde es ausgezeichnet, dass der Maschinenlieferant sich mit ihnen darum kümmert.

Der, der das machen soll, wird sich winden wie ein Aal – sie auch, weil es unangenehm ist. Aber es ist erfolgreich. Vielleicht haben sie Gelegenheit es durch benchmarking mit Kollegen sportlich zu organisieren.

Fragen sie immer wieder warum, warum, warum.

Man wird ihnen Erklärungen statt Lösungen geben. Lassen sie das nicht zu!!!!!

Sie sollen später auch nicht erklären, warum sie kein Geld verdient haben, sondern sie sollen es ändern.

Hören sie damit nicht auf. Dieser Termin ist wie ein Kundentermin, unverzichtbar.

Marktwirtschaft, meine Damen und Herren. Hartes Training und ständiges Überprüfen der Leistungsdaten bringt sie aufs Siegertreppchen, nicht die beste Erklärung des Versagens.

Lassen sie uns doch klar sehen: Wenn am Markt der Preis nicht beeinflussbar ist, dann bleibt doch nur die interne Möglichkeit, die Produktion so zu verbessern, dass eine Rendite erwirtschaftet wird. Insofern ist ihre technische Führung und ihr technisches Personal von ungeheurer Bedeutung, nicht nur der Verkauf der meist gehätschelt wird. Ich bitte die anwesenden Verkaufsleiter um Verzeihung, bei Ihnen ist das anders.

Neben den dargestellten Handlungsbereichen gehören dazu natürlich auch die Personalkosten. Das betrifft übrigens nicht nur die Technik, sondern auch die sogenannte Verwaltung. Ich will da nicht im Einzelnen drauf eingehen.

Außerdem: die Gehälter liegen in der Druckindustrie weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Das kommt aus der guten alten Zeit und durch völlig überzogene Tarifabschlüsse. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Mitarbeiter und Betriebsräte da gesprächsbereit sind. Der Tarifvertrag ist ja inzwischen kaum noch irgendwo gültig. Ich halte den Flächentarifvertrag im Übrigen für tot. – Lassen Sie uns das jetzt nicht diskutieren und sagen Sie es nicht weiter – die Verbände mögen mich mit meiner Meinung nicht so sehr.

Die 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich ist in vielen Unternehmen inzwischen Realität. Ich kann Ihnen nur empfehlen, schnellstmöglich diese Regelung zu verabschieden, falls sie das noch nicht haben. Sie sind sonst im Nachteil, Versuchen sie es ohne Gewerkschaft und Verband.

Ich möchte in diesem Zusammenhang aber eines betonen und das ist mir sehr wichtig:
Am Ende ist es nicht so entscheidend, wie viele Stunden sie arbeiten, sondern wie gut sie in diesen Stunden arbeiten.

Und da schließt sich der Kreis wieder zu den Vorträgen, die wir heute hören: nehmen sie die Lieferanten beim Wort: holen sie den Instruktor von MAN hier aus Weilimdorf. Er soll gnadenlos den Prozess durchleuchten, die entsprechenden anderen Lieferanten dazuziehen und mit ihrem Team aufzeigen, wie die Potentiale rauszuholen sind. Verdonnern Sie ihn, keine Gefälligkeitsgutachten abzugeben!

Das ist übrigens Praxis, meine Damen und Herren. Es gibt erstaunliche Verbesserungen, die in Netzwerken vor Ort erreicht wurden.

Es gibt weitere gezielte Aktivitäten im Kostenmanagement, in der Organisation und ganz besonders auch in der Qualifikation des Teams. Die Zeit reicht leider nicht, um das alles konkret aufzuzeigen!

All das dient dazu, besser zu sein als die anderen, nach dem Prinzip der Marktwirtschaft. Wenn sie heute ihr Unternehmen neu gründen würden, sähe es so aus, wie es ist? Würden alle so arbeiten, ist das ihre Vorstellung von funktionierendem Organismus? Wenn ja, dann freuen sie sich und sprechen sie mit ihrem Anlageberater. Wenn nein, dass fangen sie morgen früh an, es zu ändern.

Lassen Sie mich abschließend zurückkommen auf den Grundkonsens, auf die Konditionierung, die sie brauchen.

Sie werden ihr Unternehmen zu Spitzenleistungen führen, wenn sie mit klarem Plan und sehr konsequent und vor allem nachhaltig ran gehen.

Lassen sie sich nicht von den Bremsern und „Vorsicht!“-Rufen aufhalten. Im Gegenteil: Achten sie mal ganz besonders auf die, die seit Jahren oder Jahrzehnten den Eindruck machen, besonders unabkömmlich zu sein. Arbeiten die noch so wie früher oder kommen die mit neuen Ideen? Wahrscheinlich erklären die ihnen wortreich, warum das alles so nicht möglich ist.

Es gibt Leute, die haben so eine Aura um sich geschaffen, da fürchtet jeder Chef, oh je, wenn ich den zu hart anfasse, geht der. Wie ein Fels in der Brandung, genauso unbeweglich blockiert er sie, er blockiert tüchtige Kollegen, er blockiert die Zukunft. Marktwirtschaft: fördern sie die, die siegen wollen, zu neuen Rekorden bereit sind.

Wir begegnen überall den Opfern, die mit ihren Opferstories nicht nur die eigene Energie töten, wir begegnen denen, die ständig berichten was nicht geht – „wem die Trauben zu hoch hängen, erklärt sie für sauer“ und denen, die immer neue Forderungen stellen an Unternehmen, an den Staat, an die Gesellschaft. Anspruchsdenken.

Das erinnert mich an die Geschichte, die kürzlich im Hamburger Hafen passiert ist.....

Und Sie brauchen Selbstbewußtsein!

Neben ihrem persönlichen Selbstbewußtsein braucht die gesamte Branche ein besseres Selbstbewußtsein. Siegen kann ich nicht, wenn ich an mir selbst zweifele:
Mal Hand auf’s Herz:

Ist die Druckindustrie eine Branche mit hohem Selbstbewußtsein?

Zeigen sie als Unternehmer genügend Profil? Melden sie sich zu Wort? Mischen sie sich ein?

Wehren sie sich dagegen, wenn eine Hochschule sich nicht traut, das Wort Druck im Namen zu führen, wenn sie doch die zukünftigen Führungskräfte und Unternehmer ausbildet. Hat Print – d. h. Druck – nun Zukunft oder nicht?

Wir müssen die Außenwirkung unserer Branche deutlich verbessern. Sie stellen Kampagnen für andere her, aber selbst?

Ich appelliere an sie als Unternehmer, an sie als Führungskräfte: im politischen Bereich, in der Branche, in ihrem Unternehmen: seien sie bemerkbar. Eiern sie nicht rum, zeigen sie Profil mit einem unbeirrbaren Weg, gerade in Krisenzeiten: „in Gefahr und großer Not führt der Mittelweg zum Tod“.

Die Marktwirtschaft hat es verdient, dass wir alle mehr für sie kämpfen. Der Mittelstand hat ein Recht als Erfolgsmotor, dass alle an ihm Beteiligte für den Erhalt kämpfen, denn er sichert Freiheit. Die Druckindustrie ist eine Branche, die hochqualifizierte Menschen, Maschinen und Produkte hat, sie hat es verdient, dass sie von jedem mit Stolz und Selbstbewußtsein vertreten und in die Zukunft geführt wird. Ihre Unternehmen, ob Sie Unternehmer oder Führungskraft sind, müssen erwarten können, dass Sie kantig und mit Siegeswillen die Dinge konsequent tun, die dafür nötig sind auf’s Siegertreppchen zu kommen.

Die Chancen für Sie hier im Raum sind selten gut, weil sie nicht warten, so wie die anderen, die heute nicht hier sind. Und weil Sie sich im Netzwerk Weilimdorf miteinander rüsten.

Gehen wir es gemeinsam in der Praxis an.

Viel Erfolg dabei und danke für Ihr Interesse. 

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