Presse und Verlautbarungen

Auszug aus der Rede von M. Dömer: MAN/HDM

03.06.2003


Liebe Zuhörer,


es freut mich, dass ich erneut im Rahmen der Vorlesungsreihe mit MAN-Roland die Gelegenheit habe, einige Einschätzungen, Meinungen und Thesen vorzutragen und besonders auch mit Ihnen auszutauschen.
Aus meiner liberalen Grundüberzeugung leite ich auch wesentliche Lösungsansätze für meine Beratungstätigkeit ab:
Ich bin leidenschaftlicher Verfechter von Marktwirtschaft sowohl volkswirtschaftlich wie betriebswirtschaftlich wie im übrigen auch gesellschaftspolitisch:

... Die beiden Kernaussagen dabei:

1. Erfolg durch bessere Leistung und Idee, was auch eine besondere Belohnung und Anerkennung erfahren muss.
2. Individualität  d. h. Förderung des Einzelnen, also von Eliten. Schutz des Einzelnen vor dem Staat, z. B.
Das gilt für Mitarbeiter, Führungskräfte und auch für das Unternehmen als ganzes.

Hieraus leiten sich einige Thesen ab, die z. T. im krassen Widerspruch zu so einigen Vorträgen stehen, die Sie sonst so  z. B. von meinen Kollegen  hören.
Die Inhalte dieser Vorträge haben übrigens nachweislich  ich wiederhole:
NACHWEISLICH NICHT zum Erfolg geführt!

Ich bin kein Verfechter des mainstreams ...

Die Japan-Welle, die gegen den Felsen geklatscht ist und von der heute keiner mehr redet (KVP...), lean-management und dream-team Gefasel = heiße Luft ...

Das hat als Berater den Nachteil, dass man das Geld nicht mitnimmt, was man verdienen könnte, wenn man mit dem jeweils neuesten Führungs und Marketingkitsch umherreist oder Artikel schreibt.

Auch hat es den Nachteil, dass man sich Feinde macht...

Ich kann damit leben, der Erfolg in der Arbeit spricht sich nachhaltiger herum als tolle Fotos über Veranstaltungen, in denen Stroh gedroschen wird. Langfristig ist das seriöser und für die Unternehmer nachhaltiger.
Liebe Zuhörer, wir stehen in Deutschland insgesamt in der übelsten Wirtschaftskrise nach dem 2. Weltkrieg! Wir haben in unserer Branche eine unglaubliche Insolvenzzahl und viele Drucker freuen sich, wenn sie ihre Abschreibungen verdienen  mehr noch, wenn sie einen Gewinn machen, der maximal der niedrigen Kapitalverzinsung derzeit an den Märkten entspricht  mit dem Unterschied, dass sie dafür einen täglichen Kampf erleben, der den Wenigsten Spaß macht.
...

Und wo sind die Lösungsansätze?

Die Politik zeigt gesamtwirtschaftlich Unfähigkeit, weil sie nicht wagt die Erkenntnisse in konsequentes Handeln umzusetzen. Wer everybodys darling sein will, kann nicht handeln!

Die runden Tische und Konsenssuche rundum haben zum Stillstand ja drastischem Rückschlag geführt  eben weil sie nicht marktwirtschaftlich sind.
Bei Unternehmern und Führungskräften ist das ähnlich.
Viele Ratgeber wühlen aber immer noch in der Mottenkiste platter Sprüche.
Sie hoffen inständig auf eine Trendwende, damit sie ihre Allgemeinplätze endlich wieder verkaufen können  denn für pragmatische und betriebswirtschaftliche Kennerarbeit fehlts am Wissen!
Und das ist zur Führung von Unternehmen und Abteilungen nun einmal notwendig. Oder sehen Sie das anders?

Es gibt sie immer noch, die Standardthesen, die ich seit 20 Jahren in der Druckindustrie höre:

1. Die Unternehmer müssen lernen im Herzen des Kunden zu denken
2. Die Druckindustrie ist zu technisch orientiert.
3. Die Menschen in den Unternehmen müssen mehr motiviert werden, müssen sich wohler fühlen.
4. Die Unternehmen brauchen eine Strategie, die sich von anderen unterscheidet, einen Alleinstellungsanspruch.
Meine lieben Zuhörer:
Lassen Sie uns doch bitte einmal die Realität in den Unternehmen am Beispiel der Rollenoffsetdrucker überprüfen:
Auch hier ein Pleitenrekord. Ich habe vor kurzem eine Aufstellung gemacht, wie viele Rollenunternehmen in ca. 3 Jahren durch Insolvenz, Übernahme oder Schließung zumindest in der bisherigen Form verschwanden. Es waren über 25!
   
Ich könnte Ihnen zusätzlich aufzählen, wie viele derzeit in Schwierigkeiten stecken und ich prognostiziere auch für dieses Jahr weitere Insolvenzen.
Das ist kein jammern, wie so oft gesagt wird, das ist Realität!
Woran liegt das? Ich möchte mich an dieser Stelle nicht weiter zu den schlechten Rahmenbedingungen für den Mittelstand in Deutschland äußern, ich käme sicher in Rage dabei.

Es reicht, wenn ich gerade aktuell beobachte, dass Verbände und Gewerkschaften über Lohnerhöhungen verhandeln, um letztlich die Anzahl der Pleiten und Arbeitsplatzabbau zu beschleunigen. Dann fragt man sich schon, ob man im falschen Film ist.

... Ein zentrales Problem in der Druckindustrie heißt Preisverfall und damit verbunden Überkapazität. Das Thema billig ist in Deutschland das Hobby überhaupt  Schnäppchenjagd.

Am letzten Sonntag stand in der WAMS ein Artikel mit der Überschrift: Deutschland wird verramscht.

Die Kunden der Drucker verramschen in einem ruinösen Wettbewerb ihre Produkte. Metro, Lidl, Aldi, Otto usw., sie alle brauchen dazu Werbung  und das ist gut so.

Doch wollen sie dafür möglichst wenig Geld ausgeben.  Die Drucker machen dieses mörderische Spiel mit.

Das gilt übrigens überall Marktanteile halten, koste es was es wolle. Doch das Durchhaltevermögen eines internationalen Konzerns ist ein anderes als eines Druckers. Da gibt es nur wenige, die eine Kriegskasse haben.
Durch die Überkapazitäten und die mittelständische Struktur haben die Drucker wenig bis nichts dagegen zu setzen. Die Preiselastizität am Markt kennt daher nur eine Richtung, die nach unten.

Und da taugen die eben genannten Konzepte der Gurus wenig.
Lassen Sie uns das einmal kurz einzeln untersuchen:

1. Alleinstellungsanspruch:
Natürlich gibt es so etwas in Teilbereichen immer wieder einmal. Seien wir doch mal objektiv analytisch: Der weitaus größte Anteil der Produkte verlangt keine Alleinstellungsmerkmale, es sind Industrieprodukte:
-Zeitungsbeilagen, -Kataloge, -Zeitschriften.
Die Rotationsdrucker, die 16, 32, 48, 64-  Seiten Maschinen haben, verprügeln sich auf diesem Markt  und zwar so heftig, dass es darauf abzielt, den anderen zu töten.
Ein Mandant schrieb mir auf einer Weihnachtskarte, sein Wunsch für 2003 sei  so schlimm das klinge dass weitere Wettbewerber in die Insolvenz gingen.
Wenn Sie also eine Rollenoffsetdruckerei haben, dann produzieren Sie nun einmal Rollenoffsetprodukte. Möglichkeiten gibt es mit Einschränkungen in der Beratung  darauf komme ich noch zu sprechen.
Es muss aber letztlich darum gehen, Geld zu verdienen, oder nicht?

2. Der klassische Satz:
Die Drucker müssen lernen, im Herzen der Kunden zu denken. Seit 17 Jahren höre ich das in der gleichen Formulierung.
Da kann ich den Kollegen nur raten, ein durchgängiges Konzept an die Drucker zu verkaufen.
Das heißt: Erfolg durch verschenken!
Ein Metro-, Karstadt, Lidl, ein Obi, Otto, Ikea, ein Jahreszeitenverlag oder ADAC  sie alle haben mit ihren Printerzeugnissen ein Ziel: viele potentielle Kunden schnell, aktuell in großer Auflage zu erreichen zu niedrigst möglichen Konditionen. Im Druckprodukt ist eine der wenigen Stellschrauben für sie, Geld einzusparen und zu verdienen. Im Herzen des Kunden denken heißt also z. Zt. in erster Linie, seine Kosten zu reduzieren.

3. Und damit zu dem anderen Klassiker, den jeder immer wieder seit Jahrzehnten gerne auflegt:
Die Branche ist zu technisch orientiert, sie braucht mehr Marktdenken.
Wenn Sie meine Darstellung der Situation in den Argumenten 1 und 2 aufmerksam verfolgt haben, dann stellen Sie nicht nur fest das das ein populistischer aber falscher Ansatz ist, sondern Sie haben damit auch den Lösungssatz für erfolgreiche Unternehmen und können sich zum Berater qualifizieren, der nicht nur Sonntagsreden im Schloss hält sondern pragmatisch hilft.
...


Die Preiselastizität geht nur nach unten und der Markt will überwiegend Industrieprodukte für weniger Geld
Der Druckunternehmer will sein Unternehmen erhalten und Geld verdienen. Er kann es wegen des Marktverhaltens nicht über den Preis. 

ALSO:  und hier ist die einzig richtige logische Konsequenz  Er muss über interne Maßnahmen seine Möglichkeiten zum Geldverdienen erreichen.
Wie, darauf kommen wir noch.
Ich möchte meine Ausführungen ergänzen durch einige Ergebnisse aus Interviews mit großen Kunden der Drucker, die ich Ihnen kurz vorstellen möchte.
Diese Interviews habe ich im Rahmen eines Projektes für MAN-Roland durchgeführt und werde sie in den nächsten Wochen und Monaten fortsetzen.

Es geht um die Frage:
Wohin entwickeln sich die Bedürfnisse der Printbuyer? Welche Anforderungen stellen sie an die Drucker und wie muss entsprechend die Produktpolitik von MAN-Roland sein?

Ein erstklassiger Marktansatz von MAN-Roland, das möchte ich an dieser Stelle einmal betonen. MAN-Roland möchte nicht nur Maschinen entwickeln und aufstellen sondern ermitteln, was der Printbuyer will. Lassen Sie mich die wichtigsten Thesen zusammenfassen.

1. Keiner  auch nicht die obersten Strategen  machen eine Aussage über Entwicklungen der nächsten Jahre. Man denkt in Jahres- oder 2-Jahresgrößen. Das, was man klassisch Strategie nennt, findet nicht statt. Es ist operativ taktisch, reagierend. Wir müssen uns von der klassischen Strategieforderung und –definition verabschieden! Schwierig, bei teuren Investitionen und Abschreibungszeiträumen.

2. Oberstes Kriterium in allen Gesprächen ist der Kostenaspekt: Reduzierung der Druckpreise. Der Chefeinkäufer und Hersteller eines namhaften Verlages sagt wörtlich: wir wollen für die Zukunft mehr Zeitschrift für weniger Geld.  Gelingt uns das nicht, werden wir weniger Titel produzieren
Ähnliche Argumente u. a. von einem großen Kataloghersteller:
Wir müssen dazu kommen, die Produktionskosten zu senken. Wir selbst tun das durch Reduzierung von Auflagen und Überprüfung von Besonderheiten
Er nannte z. B., dass man die Grammatur des Papiers reduzieren werde. Es wurden Statistiken geführt, ob deshalb ein Kunde weniger kauft. Das ganze erfolgt natürlich zielgruppenspezifisch unterschiedlich.
Interessant z. B. auch, dass Veredelung und Personalisierung eher zurückgefahren wird, es sei denn, es kostet nichts  und da sind die Drucker ja bekanntlich großzügig. Das Thema Trend bei Veredelung kann jedoch nicht verallgemeinert werden.

3. Eine fast wortgleiche Klage mehrerer Partner: Die Drucker zeigen uns keine Wege, über technologische Möglichkeiten unsere Kosten zu reduzieren und die Produkte zu verbessern.
Wörtlich: alles, was wir produktionstechnisch verändert haben, kommt von uns und nicht vom Drucker.
In diesem Zusammenhang wird die Initiative von MAN-Roland von vielen begrüßt, über Technologie zu sprechen. Hier gibt es jedoch Unterschiede:
Während ein großer Kataloghersteller (Tiefdruck) sein Produkt als Industrieprodukt sieht, das wenig veränderbar ist, reisen wichtige Produktionsfachleute eines großen schwedischen Möbelhauses dessen Namen ich hier nicht nennen will  persönlich zu den Lieferanten  sei es Papier, Farbe oder Hersteller von Vorstufensystemen und Druckmaschinen ohne den Drucker  sich über neue Produktionsverbesserungen zu informieren. Ziel dabei aber immer:  KOSTENREDUZIERUNG
Ein kleiner Exkurs zu diesem Thema:
Neuentwicklungen scheinen das Problem zu sein seit einiger Zeit. Fehlt es an Kreativität? Warum? Auffallend ist, dass überwiegend linear weitergedacht wird: Mehr von demselben! Höher, schneller breiter.
Mal aus dem System raus  das scheint schwer. Ich habe Meetings mit TOP-Leuten bei MAN-Roland gemacht  die haben mich angeschaut als sei ich vom anderen Stern. (mehr mündlich)
Die Maus ist nicht die lineare Entwicklung der Tastatur!

4. Und dieser Punkt ist Alarmzeichen für die Druckunternehmer, Gestaltungsspielraum auch für Sie als zukünftige Macher dieser Branche:
 eine niederschmetternde Beurteilung der Verkaufsmitarbeiter der Drucker.
Zitat: Wissen die Unternehmer eigentlich, welch unfähige Leute man uns zum Gespräch schickt?

Was kritisieren die Kunden?:

1. Die Verkäufer haben sich überwiegend weder mit unserem Unternehmen noch mit unseren Produkten beschäftigt.

2. Sie stellen weder ihr Unternehmen richtig vor, noch scheinen sie überhaupt zu wissen, wie viel Umsatz man macht, wie die Strukturen sind usw.

3. Sie können nicht sagen, wie sich die Zusammenarbeit der letzten Jahre mit unserem Haus entwickelt hat  z. B. Auflagen, Umsätze, Preise, Material ...

4. Wenn wir nach Entwicklungen auf dem Papiermarkt und Trends fragen weiß man wenig.

5. Wir bekommen keine technologische Beratung, wie wir unser Produkt verändern können, um Kosten zu reduzieren.

6. Die meisten Verkäufer wollen nur eine Anfrage abholen und ein Angebot abgeben, dass dann in kürzester Frist vom Preis her schon wieder zusammenbricht, ohne dass sich das Produkt verändert.
Es fehlen kommunikative Fähigkeiten, emotionale Intelligenz gepaart mit Fleiß!
Ein Kunde, der auch in USA Erfahrungen hat sagte, es fehle so etwas wie ein Produktentwicklungsingeneur.
Ich habe übrigens Druckunternehmer damit konfrontiert. Die überwiegende Reaktion  fast schon aggressiv:
Die Einkäufer und Produktioner wollen doch gar keine Beratung, geben uns doch überhaupt keine Gelegenheit dazu.
Es gibt Schilderungen, dass Verbesserungsvorschläge erarbeitet wurden, die dann zu einer veränderten Ausschreibung führten mit dem Erfolg, dass der Wettbewerber den Auftrag zu einem Todespreis erhielt.
So kommt es dazu, dass die Motivation zur Beratung verloren geht. Bloß den Kunden nicht irritieren ist das Credo vieler Verkäufer.
Erlauben Sie mir bitte noch ein paar Worte zu weiteren Beobachtungen, bevor ich in kurzen Thesen meine Empfehlungen als Berater für die Branche formuliere und auch an die Hochschule und an Sie persönlich Handlungsaufforderungen richten möchte.

1. Erstmals in der Nachkriegszeit erleben wir im Zeitungsmarkt eine echte Krise. Da, wo früher jemand die Fenster zuhalten musste, damit das Geld nicht rausfliegt, herrscht z. T. Überlebenskampf, Entlassungen. Nebenbei bemerkt empfinde ich es in der Marktwirtwirtschaft unerträglich, dass das Land Hessen der maroden Frankfurter Rundschau eine Landesbürgschaft gibt. Warum wird Misserfolg belohnt statt Erfolg?
Fakt ist, dass wir im Markt auch zu viele Zeitungsrotationen haben, einige auch als Semicomercial Maschine. Wenn es tatsächlich einen Trend gibt, Massenprodukte zu verbilligen, wird dadurch gegenüber den Akzidenzdruckern ein stärkerer Wettbewerb entstehen.
Wie in jedem Risiko liegt darin aber auch eine Chance. Ich habe den Akzidenzdruckern empfohlen, den Verlegern offensiv Konzepte anzubieten.
Warum bieten sie nicht an, die kompetenten Drucker zu sein  sollen die Verleger sich aufs verlegen konzentrieren! Leider passiert da wenig nur der Blick des Kaninchens auf die Schlange.

2. Die Banken und Sparkassen erschweren die Finanzierung erheblich. 2 sehr wichtige Faktoren spielen dabei eine Rolle.
Neben der allgemeinen Branchen- und Marktbeurteilung, die für die Druckindustrie nicht rosig ausfällt, sind das:
a) Eingenkapitalquote
b) Beurteilung des Managements.
Der erste Punkt ist äußerst schwierig, da in Deutschland durch die Bestrafung des Mittelstandes dieser nur sehr schwer Eigenkapital bilden kann.
Zudem bilden Sie mal vom negativen Ertrag Eigenkapital.
Der zweite Punkt ist ein zentrales Problem und da sind Sie gefordert!
Es gibt verdammt wenig Management!
Wenn z. B. ein Kollege in einem Interview sagt: Es sind weniger die fachlichen Eigenschaften, die fehlen. Hervorragende Techniker, Betriebswirte und Juristen gibt es genügend, dann ist das schlicht falsch.
Das Thema Betriebswirtschaft, Kostenmanagement, Unternehmensstrukturen auch im juristischen Sinn  muß intensiviert werden.
Ich bin in diesen Fällen von Banken und Sparkassen eingesetzt und weiß, wie schnell diese heute dort den Hahn abdrehen, wo gestern noch Geld zugegeben wurde. Nebenbei bemerkt ist das nicht immer falsch  es wird mir zu leichtfertig über die Banken geschimpft.

3. Unsere Branche schafft sich selbst ein schlechtes Image. Wenn fast alle das Wort Druck scheuen, wie der Teufel das Weihwasser, wenn alle nur noch Medienleute sein wollen, wie soll da das dringend nötige Selbstbewusstsein entstehen, wie wollen wir den high potentials klar machen, in die Druckindustrie zu gehen?

Was sind meine Empfehlungen:

Ich bin durchaus optimistisch, dass die Druckindustrie die Chance hat, wieder zu einer selbstbewussten Branche zu werden, die Geld verdient und qualifizierten Mitarbeitern Zukunft verspricht. Dazu ist es nötig:

1. Die Strukturen in den Unternehmen radikaler auf den Prüfstand zu stellen. Alte Zöpfe müssen abgeschnitten werden, Kosten und Abläufe weiter optimiert werden. Das ist Daueraufgabe und wird es bleiben.
Vor über einem Jahr schrieb ein Berater im Editorial einer Fachzeitschrift: Die Zeit des Kostenmanagements und der Restrukturierung ist nun vorbei  jetzt müssen wir uns der Unternehmenskultur wieder zuwenden. Diese Erleichterung in den Worten!
Jetzt wird Können nicht mehr gebraucht, jetzt können wir unsere rosa Wölkchen wieder rausholen!

2. Die Strukturen der Branche müssen von den Unternehmern selbst offensiv verändert werden. Im Zeitalter von Globalisierung und Fusionen sind die vielen Einzelunternehmen mit Ihrer Multiplikation derselben Investition nicht mehr haltbar. Mit Kollegen und Wettbewerbern müssen neue Unternehmensformen gebildet werden.

3. Die Branche muss das Gegenteil von dem tun, was viele Berater sagen  sie muss sich auf ihr hohes technisches know how besinnen. Gemeinsam mit Herstellern und Hochschule und den technischen Eliten in den Unternehmen muss danach geforscht werden, wie die Produktion so automatisiert werden kann, dass man auch bei den schlechten Preisen wieder Geld verdient.
Nicht Marktanteile über mehr Umsatz zu niedrigen Preisen allein. Das führt zum Ende. Das muss erreicht werden durch die höchste technologische Automatisierung! Dazu gehört auch die Analyse des Maschinenumfeldes, der Prozess bis in den LKW!
...ich sehe im Bereich Druck, Weiterverarbeitung und Logistik ein weites Feld.
Fangt endlich an!

4. Fördert Eliten in Unternehmen. Hört auf mit dem sozialistischen Teamgequatsche!
Natürlich ist ein gutes Team zum Sieg dringend wichtig, aber es orientiert sich an Leadern, Gewinnern. Wir haben in Deutschland genügend Gleichmacherei betrieben, Neiddiskussionen gegen die, die besser sind. Den Erfolg können wir täglich sehen.

5. Überdenken wir die Marktbearbeitung. Der Verkäufer ist nicht der Transportunternehmer für Dumpingpreisangebote sondern der Produktentwicklungsingeneur  Das hat Konsequenzen für die Profile!

6. Aufbau von Selbstbewußtsein, das einer Marke vorausgehen muss. Auch die Druckerei kann eine Marke sein doch davon sind die meisten schon in ihrem Selbstverständnis weit entfernt.
Der Unternehmer traut sich ja schon nicht einmal mehr die Frage zu stellen, warum er eigentlich Unternehmer ist, was das soll.
Wenn ein Berater in seinen 10 Geboten für Veränderungsmanager schreibt:
Manager, die zunächst ein schmerzhaftes Sparprogramm verkünden und dann ihre S-Klasse Automobile behalten, unterschätzen massiv die Intelligenz.
Da ist das reiner Populismus und haut in die Kerbe der Unterwürfigkeit. Ein Unternehmen, das auf Dauer kein Geld verdient hat in der Marktwirtschaft keine Existenzberechtigung!

7. Konsequenz statt Opium! Es ist ein Phänomen, das Unternehmer zu Symposien gehen, wo sie der Wirklichkeit entrückt werden, Beifall klatschen und dann ins Leben zurückkehren. Mehr Härte und Konsequenz in der Umsetzung ist dringendes Gebot. Dazu könnte ich nun viele Einzelbeispiele in den Betrieben nennen, was hier zu weit führen würde.
Wer hat gesagt, dass Unternehmer es kuschelig haben, dass sie rund und everbodys darling sein sollen? Sie wollen es von ihrem Temperament von ihrer Persönlichkeitsstruktur gar nicht kuschelig haben  aber sie wollen frei sein  Unternehmer sein heißt frei sein und für Erfolg belohnt werden. Die Eintrittskarte heißt auch Durchsetzen  und das bedarf der Konsequenz und dazu gehört Selbstbewusstsein, den richtigen Weg zu gehen. Wie viele sind so?

8. Politisches Engagement und Mut von Unternehmern und Führungskräften. Dazu gibt es in unserer Branche viele Ansatzpunkte. Z. B.
-Gegenüber den Gewerkschaften und Unternehmerverbänden, die derzeit wieder + über Erhöhungen diskutieren, wo es nichts aber auch gar nicht zu verteilen gibt.
Durchbrecht den Substanzklau und macht Firmenvereinbarungen  weg mit dem Flächentarifvertrag!
- überlasst die Gesetzgebung nicht Theoretikern und Gewerkschaftsfunktionären
- Studenten, Führungskräfte und Unternehmer in die
  Parlamente und Gremien und Verbände
- Macht den Entscheidern an den Hochschulen Dampf, die sich mit der Branche nicht mehr Identifizieren aber den Nachwuchs dafür ausbilden sollen. Unterstützt die Lehrenden mehr, die sich dafür einsetzen.
-S chreibt den langweiligen Redakteuren Leserbriefe oder kündigt die Abos, wenn Sie unkritisch olle Kamellen wiederholen oder in der eigenen Gestaltung kein Vorbild sind.

9. Unterstütz das, was hier z. B. heute geschieht. Die Verbindung von Hochschule und Praxis. Die Professoren Fischer und Matt sind exzellente Beispiele dafür, wie es gehen kann. Ich bin sicher, sie haben es auch nicht immer leicht, das durchzusetzen.

10. Die Branche muss mehr in konkreten Netzwerken denken und vor allem handeln.
Papierindustrie, Farbenhersteller, Druckmaschinenhersteller, Drucker und Kunden müssen ihr Teildenken überwinden.
Sie müssen ihre Fähigkeiten bündeln, vernetzen. Gezielt und gemeinsam siegen.
In der Verpackungsbranche hat sich da übrigens seit Jahren viel verändert.
z. T. haben die Drucker hier das Feld der Kartonindustrie überlassen, die auch das Druckgeschehen bestimmen.
... Macht hat, wer macht  und ich sage nochmals  es gibt Zukunft aber nur für den, der macht. Die Standortbestimmung Akzidenzdruck ist da  nun sind Sie dran, es ist Ihre Zukunft.
Ich wünsche Ihnen viel Mut und Biss dabei  überschreiten Sie eher mal die Grenze als dahinter zurück zu bleiben.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit

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