Presse und Verlautbarungen

16. EWA-Gipfelkonferenz - Pressebericht Rollenoffset / Tiefdruck

23.07.2003


Die EWA (European Web Association) ist die aktivste und stärkste Interessenvertretung für den Rollenoffset, weil wir unternehmerisch arbeiten!, so der Unternehmensberater Michael Dömer, der die EWA im Jahre 1998 ins Leben rief und sie seitdem mit ständig steigender Anzahl von Unternehmern und Geschäftsführern führt.

Die Sommerkonferenz stand unter dem Eindruck von massiv fallenden Preisen zu Jahresbeginn. Unternehmensberater Michael Dömer zeigte in einer Statistik auf, dass im Laufe der letzten 3 Jahre alleine in Deutschland 25 (!) Rolloffsetdrucker insolvent waren, übernommen oder geschlossen wurden. Es wird zu weiteren Insolvenzen und Konzentrationsprozessen kommen, so Dömer. Für die printbuyer ist das Ergebnis des Preisverfalls zu kurz gesprungen. Innovationskraft und dauerhafte Leistungsfähigkeit sowie Vielfalt gibt es für die Kunden nur, wenn Geld verdient wird. Die Druck- und Verlagsbranche befinde sich in einer Strukturkrise und Strukturveränderung, die in anderen Branchen in ähnlicher Form schon länger vollzogen sei. Das Thema elektronische Medien spiele dabei aber eine untergeordnete Rolle. Die aktuelle Konjunkturkrise beschleunige einen Prozess, der sich auch sonst vollzogen hätte. Wer jetzt offensiv die Gestaltung neuer Strukturen organisiert, hat viele Chancen. Leider aber legen die meisten ihren Focus auf die Absicherung von bestehenden Strukturen.

Gerd Finkbeiner im Gespräch ...

hieß ein ca. 3-stündiger Teil der Konferenz. Ganz bewusst will die EWA keine Vortragsveranstaltung sondern mit den Gästen Klartext sprechen. Es kam gut bei den Unternehmern an, dass Finkbeiner in keiner Phase MAN-Roland-Marketing machte sondern aus seiner Sicht die nationale und internationale Printentwicklung darstellte und prognostizierte. Der Prozessoptimierung, Automatisierung und mehr Vernetzung von Drucker, printbuyer und Lieferantengruppe müsse wesentlich mehr Bedeutung gewidmet werden. Finkbeiner appelliert auch an die Unternehmer, in ihren Anforderungen konkreter und offensiver zu werden. Diese Aufforderung wurde dann auch gleich in die Tat umgesetzt. Eine Arbeitsgruppe wird gemeinsam mit einem MAN-Roland Team konkrete Lösungen erarbeiten.

Marktstudie Print-Entwicklung;  erste Ergebnisse

Michael Dömer präsentierte einige vorläufige Ergebnisse einer Marktstudie über die Entwicklung im Printbereich aus Sicht der printbuyer. Im Auftrag des MAN-Roland-Vorstandes arbeitet er als Berater in Zusammenarbeit mit den EWA-Unternehmern an einer komplexen Studie, die im Rahmen von round-table-Gesprächen zur Drupa 2004 vorgestellt wird. In persönlichen Befragungen von Kunden aus Verlagen, Agenturen, Handel und Industrie werden Trends deutlich, die zu offensivem Handeln der Druckunternehmer auffordern. Kostengesichtspunkte spielen eine große Rolle bei verschiedenen Produkten. So werden im Katalogbereich die Papiergrammaturen immer weiter reduziert, der frühere Hit, die Personalisierung, hat längst nicht mehr den Stellenwert, der prognostiziert war. Andererseits werden Merkmale gesucht, mehr aufzufallen. Formatvarianten und Klappumschläge sind Beispiele dafür. Bei den Interviews wird deutlich, dass auch hier mehr Vernetzung zwischen Kunde, Drucker und Lieferant hilfreich wird. Als Nebenprodukt wird ein Qualifikationsdefizit bei Verkaufsmitarbeitern deutlich. Immer mehr wird der Produktionsingenieur gewünscht statt der klassischen Verkäufer.

Gegen den Trend: Mehr Technik statt Trainerkitsch

Dömer fordert in seinen Lösungsansätzen zur Sicherung der Unternehmen dazu auf, dem Trainerkitsch nicht zu folgen sondern nach dem immer noch gültigen Prinzip der Marktwirtschaft das Unternehmen kostenorientiert und nach dem Prinzip der besten Leistung zu führen. Wer immer noch davon redet, die Branche sei zu technisch orientiert, lebt nicht in der Gegenwart–wir brauchen im Gegenteil technologische Konzepte zur Automatisierung und Prozessoptimierung, um bei nachgebenden Preisen noch Geld zu verdienen. Absurdes Beispiel sei ein kürzlich geäußerter Vergleich mit Davidoff–Zigarren. Davidoff wurde auf einem Symposium als Beispiel genannt, wie man mit Kunden umgehen sollte: Gehen Sie mal in ein Geschäft und verhandeln den Preis einer Davidoff – der Verkäufer wird die Zigarre erheitert selber rauchen!, so Dömer.

Papierindustrie: Trend zum Nachteil der Drucker

Ausführlich diskutierten die Unternehmer über die Konzentration und Politik der Papierindustrie. Der starke, weltweite Konzentrationsprozess führt zu einem Machtfaktor, der die Entwicklung der Branche beeinflusst. Es gibt kaum noch Spielräume. Auftragsströme werden von der Papierindustrie gesteuert–hier ist ein Oligopol, so ein Unternehmer. Besonders bedenklich ist, dass die Papierindustrie massiv das Endkundengeschäft betreibt. Zum Teil würde auch darüber das Preisdumping beschleunigt. Scharfen Protest richten die Unternehmer gegen einen Anbieter, der dabei ist, eine Kapazitätsbörse über Internet aufzubauen, in dem die Drucker ihre freien Kapazitäten einbringen sollen. Mit dieser Form des Makelns über die Papierindustrie sehen die Drucker eine Einmischung in ihren Bereich, den sie nicht unterstützen werden. Entsprechend wurde ein Schreiben der EWA an den Hersteller gerichtet.

Bedeutung der Zeitungskrise für den Akzidenzmarkt

Auffällig ist eine starke Zunahme der Anzeigen zu Lasten von Beilagen. So belegen große Discounter und Automobilhersteller cold-set-produzierte Anzeigenseiten in Zeitungen. Nachlässe bei Anzeigenpreisen verstärken das. Bemerkenswert auch die Aktivitäten von Zeitungshäusern, Produkte, die bisher im heat-set laufen, für ihre cold-set oder semi-comercial Anlagen zu gewinnen.

Dies wird kein Trend, so die Überzeugung der Unternehmer, man müsse jedoch den Kunden die deutlichen Vorteile in der Produktion und besonders der Produktionsorganisation bei den Akzidenzdruckern noch deutlicher machen.

Berater Dömer empfahl allerdings, dem Strukturwandel im Verlagsbereich mit klaren Konzepten zu begegnen. Die Veränderungen im Zeitungs- und Zeitschriftenbereich werden voranschreiten–der Druckunternehmer muss offensiv die Richtung für sich bestimmen.

Weg mit Subventionen und Bürgschaften

Auch wenn es für den einzelnen Unternehmer oft eine Hilfe ist, so muss erkannt werden, dass jegliche Subvention und die Übernahmen von Bürgschaften von Land und Bund wettbewerbsverzerrend ist. Es könne nicht sein, dass erfolgreiche Unternehmer mit ihren Steuergeldern schlecht geführte Betriebe und damit ihren eigenen Wettbewerber subventionieren. Auch die Förderung von Unternehmen in den neuen Bundesländern hätten zu Marktungleichgewichten geführt. Diese Subventionspolitik sei marktwirtschaftsfeindlich und gehöre abgeschafft. Michael Dömer wird von den Unternehmern aufgefordert, einen Brief an die entsprechende staatliche Organisation zu schreiben.

Zur Tarifsituation

Ein lachendes und ein weinendes Auge haben die Unternehmer bei der Beurteilung des Tarifabschlusses. So schön es sei, dass der Abschluss im Verhältnis niedrig ist, so absurd sei immer noch die grundsätzliche Einstellung. Wenn Umsatz und Rendite sinken, wenn 2 Jahre in Folge massive Einbrüche im Werbemarkt zu verzeichnen sind, wenn die Preissteigerung unter der Lohnentwicklung liegt, wenn rund 5 Mio. Menschen ohne Arbeit sind, wenn sogar SPD-Politiker von 0-Runden reden, dann ist es absurd, Löhne zu steigern, sie müssten rückläufig sein. So Dömer, der zu diesen Aussagen eine breite Zustimmung findet. Die EWA-Unternehmer hatten im Vorfeld der Tarifverhandlungen den Verband aufgefordert, maximal kostenneutrale Abschlüsse zu akzeptieren.

Viele weitere Einzelthemen werden eifrig diskutiert. Auch nach der 16.-EWA-Konferenz ist das Engagement ungebrochen. Weitere Unternehmer werden aufgenommen. Die EWA umfasst damit mehr als 45 Unternehmen. Nach Schätzungen sind es rund 70% der Maschinenkapazität im deutschen Markt.

Appell zu mehr Mut und Selbstbewusstsein

Dömer appelliert an die Unternehmer zu mehr Engagement und Mut zum Querdenken. Konsequentes Handeln sei gerade jetzt gefordert. Backe, backe Kuchen wird sowohl in den Unternehmen als auch in Wirtschaft und Gesellschaft zum Nachteil sein. Erfolge werden nicht durch Konsens oder runde Tischen sondern durch Entschlossenheit und Konsequenz erreicht. so Dömer in seinem Schlusswort.

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