Presse und Verlautbarungen

Rede Wandsbeker Gespräche 19.02.2004

19.02.2004


Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich bin sehr beeindruckt von dem, was ich hier heute gehört habe. Schon die Tagesordnung hat mir gezeigt, hier wird ein Zukunftsszenario entwickelt, dass für Unternehmer ein Leitfaden sein kann, wenn er es denn auch für sich individuell ableitet. Aber ich denke, so kennen wir die Institution der Wandsbeker Gespräche.

Doch kommen wir zum Ernst der Situation der Branche. Ja, die Lage ist ernst und ich habe kein Verständnis für diejenigen, die sagen, es sei gar nicht so schlimm, man solle doch jetzt das Beste daraus machen.

Das Beste daraus machen ja, aber hier gibt es nichts zu verniedlichen oder zu beschwichtigen. Die allgemeine wirtschaftliche Misere ist hausgemacht, ist politisch bedingt und da können Sie sich als Leistungsträger dieser Wirtschaft gar nicht laut genug gegen auflehnen. Wenn wir jetzt nicht grundlegende Strukturveränderungen vornehmen, wird es eine lange Krise des Systems werden.

Sie sind mittelständische Unternehmer und Führungskräfte in diesen Unternehmen und damit die Basis für Marktwirtschaft und Wohlstand. Die meisten, die in der Politik darüber reden, wissen doch überhaupt nicht, wie ein mittelständisches Unternehmen funktioniert, wissen doch gar nicht, in welchen Dauereinsatz und Verantwortung Sie stehen.

Keiner von Ihnen kann sich mit zig Millionen EURO vom Acker machen, wenn er in seiner Arbeit Fehlentscheidungen getroffen hat. Keiner von Ihnen kann nach falscher Weichenstellung einer Unternehmensstrategie anschließend hochdekorierter Bahnchef werden. Viele haften mit ihrer Existenz und werden bestraft, wenn sie erfolgreich sind, durch einen Staat, der umverteilt und die Neidgesellschaft.

Doch, meine Damen und Herren, lassen Sie uns nicht über Politik reden – mein Appell für proaktives Tun in dem Bereich ist aber – zeigen Sie Stirn!
Engagieren Sie sich gegen die Feinde der Marktwirtschaft. Ich gehe davon aus, dass die meisten Politiker gelernt haben, nicht mit vollem Mund zu sprechen. Wenn es um Mittelstand geht, tun Sie es aber bedenkenlos mit leerem Kopf!

Ich möchte mit Ihnen aber in dieser halben Stunde etwas nachdenken über die Branchensituation und Ihre Möglichkeiten.
Mein Vortragsthema lautet: Proaktives Tun um 2010 noch Unternehmer zu sein.

Welches sind die kurzfristigen Trends, welches die Megatrends im Druckbereich, speziell in Bogen?

Meine Damen und Herren, erwarten Sie oder befürchten Sie bitte kein Trendsurfen im Zauberwald der Managementtheorien.
Ich begleite nun seit 18 Jahren Unternehmen dieser Branche, habe selbst mehrfach die Geschäftsführung von Unternehmen in Krisenzeiten übernommen. Ich habe wenig Verständnis für laue Bäder, die Ihnen oft eingelassen werden. Die Führung eines Unternehmens ist ein hartes Geschäft, das Konsequenz, Kompetenz und richtiges – unternehmerisches Gefühl verlangt.

Warum? Weil in der Marktwirtschaft der gewinnt, der besser ist. Wie beim Sport kommt der auf’s Treppchen, der besser war als der andere. Das gilt am Markt, das gilt aber auch unter den Mitarbeitern im Unternehmen.
Wie ist die Situation, der wir uns im Bogenoffset zu stellen haben?
Lassen Sie mich eine schlechte und eine gute Nachricht loswerden:

1. Die schlechte Nachricht:

Es wird in 2004 keinen Aufschwung geben. Vielleicht werden wir gesamtwirtschaftlich aus dem Minus kommen, aber von „Schwung“ kann keine Rede sein.

Für die Druckindustrie sehe ich aber keine Sternstunde. Eher schon im Maschinenbau. Dort wird es zu erhöhter Nachfrage kommen. Die Ersten schreiben schon wieder: Die Anzeichen sind gut für die Drucker – sie investieren wieder – Unsinn!

Die Kapazität wird weiter ausgebaut, das Nachfragevolumen aber wächst nicht mit. -> Überkapazität -> Preiskampf -> wer hält länger durch?

2. Die gute Nachricht:

Ich glaube fest daran, oder besser, ich bin überzeugt, dass gerade Sie im Bogenoffset große Chancen haben, das Spiel zu machen, wenn Sie die Bedingungen des Spiels klar erkennen und offensiv – proaktiv eben – handeln – die Weichen nicht nur richtig stellen, sondern auch darüber fahren!
Wenn ich vor Rollenoffsetunternehmern spreche, dann habe ich zwar auch klare Vorstellungen, wie die Kollegen die Chance nutzen können, doch die Strukturveränderungen werden dort wesentlich schneller und härter ausfallen als im Bogenoffset.

Ich habe in den letzten Monaten eine Reihe von Marktuntersuchungen erarbeitet und viele Gespräche mit Ihren Kunden geführt. Dabei wurde ein Trend deutlich:

• Es wird eine weitere Zunahme der Individualisierung geben, das bedeutet mehr Segmentierung, kleinere Auflagen.
• Es wird das Ziel zunehmen, sich mit seinen Produkten vom Wettbewerb abzuheben – das bedeutet mehr Vielfalt, z. B. im Format, Farbe und Gestaltung
• Es wird mehr versucht werden, dem Konsumenten haptisch das bewerbende Produkt schmackhaft zu machen. Das bedeutet u. a. mehr Veredlung, mehr Konfektionierung.
Alles Bereiche, die dem Bogenoffset entgegenkommen.
Das hat mehrere Konsequenzen:
• Wir werden in den nächsten Jahren der Weiterverarbeitung, der Konfektionierung und der Logistik ein weitaus größeres Augenmerk widmen als bisher. Die Vorstufe wird wichtig bleiben aber aus den Schlagzeilen Zugunsten der Weiterverarbeitung kommen.
• Der Prozeß vom Kunden in die Druckerei bis zum Endabnehmer wird auf’s feinste geprüft und gesteuert werden
• Bündelung von Leistung statt Kernkompetenz
• Der offensiven Beratung wird viel, viel mehr Bedeutung zugemessen werden und zwar – ich wiederhole das Wort – proaktiv!

Und hier liegt eine wesentliche Schwachstelle in vielen Unternehmen.     
Sagen Sie bitte nicht voreilig, „machen wir doch“. Bei meinen Interviews mit Kunden waren die Beurteilungen über die Beratungsleitung der Druckindustrie wenig schmeichelhaft!

Ja, viele tun sehr bemüht, was der Kunde verlangt. Er will aber mehr. Er will, dass sie einen Schritt voraus sind, ihm zeigen, wie er sein Produkt entwickelt.
In meinen sehr offenen Gesprächen mit den Kunden, haben die stark die Qualifikation und das Verhalten der Außendienstmitarbeiter kritisiert.
Zugegeben – in der Rolle ist das viel drastischer als im Bogen. Doch die technische Qualifikation des Verkaufs reicht meist nicht.
Glauben Sie denen nicht, die immer noch die Oldie-Hitparade abspielen und sagen, die Druckindustrie sei zu technisch orientiert. Quatsch!
Sie stellen den Kunden technische Lösungen zur Verfügung deren Produkte zu verbessern. Werbung, ein Print-Produkt ist kein Selbstzweck, sondern soll erreichen, etwas zu vermitteln. Da müssen Sie sich intensiv mit dem Ziel und dem Produkt des Kunden beschäftigen und dann technische Lösungen bringen.

Und noch etwas zu diesen Parolen, Sie seien zu technisch orientiert:   
Es ist und bleibt auf absehbare Zeit leider wahr, dass der Preis ein wesentliches Kriterium bei der Auftragsvergabe ist. Wer das ignoriert oder Ihnen etwas von „Alleinstellung“ erzählt, der sollte Ihnen erzählen, wovon er nachts träumt.

Meine Damen und Herren, wenn Ihre Produkte umkämpft sind, die Preise nur nach unten elastisch sind, dann haben Sie doch nur eine Chance Geld zu verdienen, nämlich günstig zu produzieren. Standardisierung der Prozesse, Prozessoptimierung, Automatisierung, Kostenmanagement und die besseren Mitarbeiter sind dabei wesentlich. Technik also und wie man damit umgeht, sie einsetzt!

Und da ist doch der Vorteil eines engagierten mittelständischen Unternehmens: Der Chef weiß, was in seinem Laden los ist, er muß es wissen. Ja, auch die Führungskräfte und Mitarbeiter, aber es ist doch wohl so, dass man das, was einem gehört, deutlich mehr steuert als wenn nicht, oder? Sonst hätten der Sozialismus ja nicht versagt.

Kommen wir noch mal zur Preissituation. Jetzt spreche ich mal über die Mehrheit der Drucker. Ja, es gibt den einen oder anderen Fall von Alleinstellung. Der hält meist nur kurz, aber da kann man dann schon mal mehr verdienen. Bei den meisten von Ihnen herrscht doch der ständige Ärger, dass der andere wieder angegriffen hat. Sie verstehen nicht, wie der den Preis macht. Glauben Sie mir, ein anderer versteht Sie auch nicht, wie Sie seinen Preis kaputt machen.

All zu oft geht ja das Spiel so aus, dass Sie den Auftrag behalten. Der Kunde sagt Ihnen, wie leid ihm das tut, aber Sie müssen schon auf diesen Preis einsteigen.

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen!
Das ändern wir nicht, auch mit noch so guten Absichten. Vielleicht mal in Einzelfällen. Aber das ist Markt! Ihr Kunde macht die Preise nicht, Sie machen sie.

Es ist genauso unsinnig, den Liebhaber ihres Ehepartners zu erschießen. Ihr Partner ist auf dem Markt gewesen! Vielleicht haben Sie etwas versäumt.
Es geht also nur über die bessere Leistung! Und da gilt es sehr intensiv und schnell zu analysieren. Habe ich die technischen Voraussetzungen, wenn Veredlung und das was ich eben genannt habe, Trumpf wird? Wenn nicht, wie erreiche ich es oder wie mache ich mein Unternehmen so stark, dass es trotzdem Geld verdient?

Sind meine Leute fit für die technische Beratung? Geben Sie das eindeutige Profil wo Sie spielen wollen.

Meine Damen und Herrn, es ist doch eigentlich peinlich für die Druckindustrie, dass immer mehr Kunden zum Farblieferanten, zum Papierlieferanten und auch zum Maschinenlieferanten gehen und sich nach Trends und Möglichkeiten erkundigen. Das ist so!

Sie sind der Dreh- und Angelpunkt!

Lassen Sie sich doch das Heft als Generalunternehmer nicht aus der Hand nehmen. Auf der Drupa wird wieder Print City gezeigt. Gute Idee! Die verschiedenen Hersteller von Farben, Papier, Platte, Maschine, WV usw. arbeiten zusammen.

Jeder Tag muß in Ihrem Unternehmen Print City sein! Holen Sie nach und nach Ihre wichtigsten Kunden ins Haus, die Lieferanten dazu und beraten Sie gemeinsam, was zu optimieren ist. Glauben Sie mir, die kommen!
Das ist eine andere effektive Art von Verkauf! – Der Verkäufer, der ein Angebot abgibt und klug bemerkt, über den Preis könne man ja noch mal reden, sollte zu Lidl gehen!

Zum Unternehmer 2010 im Bogenoffset gehört eine neue Struktur, wie die Mannschaft aufgebaut, qualifiziert ist. Keine Sorge, nicht von jetzt auf gleich, das ist auch ein Prozess - der muß aber sofort – proaktiv beginnen.
Lassen Sie mich etwas zu den Unternehmensstrukturen sagen:
Die Branche wird sich insgesamt verändern. Das ist zweifellos der Megatrend. In fast allen Industriezweigen kommt es zu Vernetzungen, zu Konzentrationen.

Das wird derzeit im Tiefdruck auf Elefantenebene verdichtet, das wird im Rollenoffset verstärkt kommen und auch im Bogenoffset gibt es Tendenzen. Im Verpackungsdruck ist es längst zu europäischen und weltweiten Fusionen gekommen.

In Ihrem Bereich sind die Voraussetzungen etwas anders, doch spüren Sie die Auswirkungen.

Ein Thema was heute hier zu weit führt. Viele werden allein die Zukunft nicht schaffen. Es macht auch keinen Sinn in einer Region in viele kleine Betriebe die gleichen Maschinen aufstellen.

Da ist mehr Koordination nötig. Ich empfehle ja grundsätzlich Fusionen. Allerdings befürchte ich, dass das in den seltensten Fällen gelingt, wenn die Chefs noch aktiv sind. Chefs haben nämlich meist die Eigenart Querköpfe zu sein, eckig. Tun Sie die mal zusammen in eine Geschäftsführung. Nicht auszudenken.

Es wird wohl mehr zu Übernahmen kommen. Empfehlenswert wäre es, rechtzeitig nachzudenken, ob man wirklich eigenständig bis zur letzten Minute bleiben will oder abgibt, solange das Unternehmen noch einen Wert hat.

Etwas aber möchte ich aus wirklich guter Erfahrung empfehlen:
Bilden Sie unternehmerische Gesprächskreise, die gezielt geführt werden und auch zum Wohl der Branche arbeiten.

Sie wissen vielleicht, dass ich vor wenigen Jahren auf überregionaler Ebene die EWA gegründet habe. Dreimal pro Jahr treffen wir uns im Kreis von rund 40 Unternehmern – das sind von der Maschinenkapazität über 70 % der gesamten Branche. Wir treffen uns im März zum 18. Mal. Wer eben kann, ist dabei, es gibt keine Ermüdungserscheinungen. 90 % nehmen teil.
Warum – weil der Austausch wichtig ist, weil man trotz aller Wettbewerbssituation einige Dinge gemeinsam erreichen kann. In anderen Branchen ist  das längst üblich.

Wie wäre es z. B. wenn sich ein Kreis von Unternehmern, die vergleichbar sind aus einer Region, regelmäßig trifft. Sie bleiben Wettbewerber, ja, aber z. B. könnte sich daraus ergeben, dass mehrere davon eine gemeinsame Weiterverarbeitung betreiben, man sich vor unseriösen Kunden schützt, gemeinsam Druck auf Lieferanten macht. Nur so eine Idee – etwas was übrigens der Verband in dieser Form nicht leisten kann.

Lassen Sie uns kurz über das Thema Banken und Kreditversicherer nachdenken – was ist im Rahmen der Unternehmenssicherung langfristig zu tun?

Viele spüren die Banken und Sparkassen heftig im Nacken. Die Kreditversicherer zudem sind kritisch, wenn es um die Druckindustrie geht. So mancher Unternehmer bekommt sein Papier oder Farbe nur auf Vorkasse.
In meinem Weihnachtsurlaub wurde ich von einem Unternehmer angerufen, der meine sofortige Hilfe wollte. Die Bank erwartete ein so genanntes Fortführungsgutachten innerhalb von 10 Tagen.

Meine Damen und Herren, ein sehr großes Problem bei vielen mittelständischen Unternehmen gerade im Bogenoffset ist das Prinzip Hoffnung. Man erkennt die Frühwarnindikatoren nicht - oder will sie nicht sehen.  

Man wird zwar nervös, handelt aber nicht nachhaltig. Das Schlimmste, was ich häufiger erlebt habe ist, dass man noch Eigenkapital einbringt, die Altersvorsorge auf’s Spiel setzt. Wie durch einen Sogeffekt ist das Geld weg. Tun Sie das bitte nicht!

Und warten Sie nicht mit Korrekturmaßnahmen zu lange, holen Sie sich kompetente Hilfe und reden Sie rechtzeitig mit Ihrer Bank – rechtzeitig!
Die meisten Unternehmen hätten gerettet werden können, wären die Zeichen akzeptiert worden. Es liegt offensichtlich eine enorme Schwierigkeit darin, in einer Organisation, in der man jahrzehntelang gewirkt und mit Menschen, die genauso lange an der Seite gearbeitet haben, wirklich die Dinge zu verändern! Wenn’s zu spät ist, wird’s ein Schlachtfeld.
Am Rande ein Satz zur Stellung der Insolvenzverwalter.

Ich möchte ja nicht alle über einen Kamm scheren. Aber was ich bisher erlebte, ruft nach Widerstand. Zum einen gehen die Herren ohne viel Kompetenz und mit wenig Energie und viel Gelassenheit in die Unternehmen, fahren die Maschinen 3 Monate ohne Personalkosten und scheinen in der Kalkulation auch die Abschreibungen zu vergessen und machen denen preisagressiv Wettbewerb, die ordentlich haushalten.

Dann geht die Firma für’n Butterbrot an einen Erwerber. Nicht selten setzt der das Butterbrot in die Kalkulation ein und schafft so an anderer Stelle dem Insolvenzverwalter einen neuen Job. Das Perpetum Mobile. Der einzige, der daran verdient, ist der Insolvenzverwalter, und das nicht zu wenig.
Zurück zu den Banken:

Auch wenn es gut läuft, sollten Sie 1-2 Mal im Jahr mit der Bank reden und gute schriftliche Unterlagen geben.
Die Gespräche mit Kreditinstituten bleiben schwierig in den nächsten Jahren, das ist sicher. Die Vorstände werden danach bewertet, wie ihre Kundenstruktur ist. Das führt zu Konsequenzen, ob Sie das gut finden oder nicht.

Mal ehrlich, die Eigenkapitalquote ist im Schnitt zu schlecht. Nun tut der Gesetzgeber alles dafür, dass durch hohe Abgaben die Bildung von Eigenkapital erschwert wird, doch es wird für Ihr Überleben als Unternehmer in den nächsten Jahren äußerst wichtig sein. Handeln Sie jetzt!
Ich halte es für sehr pragmatisch, wenn Sie sich den Kriterienkatalog für’s Rating besorgen und sich selbst bewerten. Für die Schwachstellen machen Sie eine Mehrjahresplanung und arbeiten alles sehr konsequent ab. Anti-Aging für Ihr Unternehmen! Das hilft Ihnen und ist eine hervorragende vertrauensbildende Maßnahme für Ihren Bankbetreuer.
Ich habe in meinen Ausführungen nur einige zentrale Punkte angesprochen, die einerseits schnell greifen können, andererseits Sie selbst als Führungskräfte und die Unternehmen fit for fun auf den Weg ins Jahr 2010 machen.

Fakt wird sein: Sie werden vieles überdenken müssen.

Zusammengefasst:

1. Machen Sie einen 6 M-Check entsprechend meiner Aussagen und Prognosen
Menschen – Maschinen – Märkte – Moneten – Management – Mitbewerber

2. Denken Sie daran, dass das Prinzip Marktwirtschaft heißt. Es wird Ihnen von allen möglichen Seiten das Blaue vom Himmel erzählt, was Sie alles tun müssen. Denken Sie an die armen Kollegen, die z. B. vor einigen Jahren in Seminaren gesessen haben und viel Geld ausgegeben haben, um die Unternehmensführung der Japaner zu lernen. Es wurde zum kontinuierlich Verwässerungsprozess.
Wo sind die Gurus, nachdem es in Japan bergab ging? Vorsicht. Sie haben neue Kostüme an und versuchen neue Eulenspiegeleien mit Ihnen. Mit einem Unterschied, Eulenspiegel konnte sich selbst auf den Arm nehmen.

Meine Empfehlung:

Es ist nicht kompliziert, mittelständische Unternehmen haben sich immer behauptet. Nicht kompliziert, aber hart:
Vereinfachen, klare Linien, Konsequenz. Nicht die schöne Power Point Präsentation entscheidet über Ihren Erfolg, sondern die knochenharte Durchsetzung von dem, was nötig ist. Die einzelnen Handlungsbereiche habe ich angesprochen.

3. Der letzte Teil meiner Ausführungen liegt mir besonders am Herzen, ist er doch die Voraussetzung unternehmerischen Erfolgs:
• Sind Sie eigentlich der Meinung, dass Sie eine selbstbewusste stolze Branche sind, die eine klare Positionierung hat?
• Sind die Führungskräfte und Unternehmer die Kapitäne Ihrer Schiffe und des Ozeans Druckindustrie, die den Kurs bestimmen?
Ich frage mich oft, wo das Profil der eckigen, engagierten Führungskräfte und Unternehmer ist?
Was nehmen Sie bloß alles hin? Über Politik haben wir gesprochen – es ist etwas zu ändern!!!
Sie müssen sich einmischen!
Was sind das bloß für Laienspielgruppen, die über Ihre Zukunft entscheiden!
Haben die Freiheit und der Wohlstand, den Deutschland erreicht hat, es nicht verdient, dass man für den Erhalt auch kämpft?
Leistung wird bestraft, die Neidgesellschaft gefördert, das Mittelmaß ist Maßstab!
Ausspruchsdenken überall!
Zum Thema Anspruchsdenken fällt mir die kleine Geschichte vom Hamburger Hafen ein....
(Geschichte)
Zudem haben wir es mit einem Sittenverfall auch im Unternehmensbereich zu tun. Der Fall Mannesmann ist ja für uns weit weg. Karstadt/Quelle ist schon näher: Die Methode, mit denen z. B. ein Vorstandsvorsitzender Urban gegenüber Lieferanten operiert ist schädlich und ein schlechtes Vorbild für einen fairen und ordentlichen Kaufmann.
Was sind das für Vorbilder für die Jugend in diesem Land? Das Wort „Urbanisierung“ bekommt da eine neue Association.
Oder schauen wir in die eigene Branche. Da gibt es einen Unternehmer, der hat eine größere Anzahl von Unternehmen – insbesondere Bogenoffset übernommen. Geld hat er nicht eingebracht – nur raus gezogen. Eine Pleite nach der anderen – wurde leider in einer Fachzeitschrift noch als Vorbild gefeiert. Zuletzt ging die Bundesdruckerei Bonn unter seiner Führung in die Knie.

Dann die Meldung, dass die Finanzbehörde in Bremen an die Bundesdruckerei 1,7 Mio. EUR irrtümlich überwiesen hat wegen einer falschen Kontonummer. Der ehrbare Kaufmann hat das Geld nicht zurückgegeben. Angeblich soll es auf das Konto eines leitenden Mitarbeiters überwiesen worden sein.
In einem Branchenorgan wird dafür das Finanzamt kräftig angegriffen, nicht das schwarze Schaf der Branche.

So jemand schadet dem Ruf! Dagegen sollten Sie sich wehren, ebenso gegen Kunden, die schlicht unlauter mit Ihnen umgehen. Gewerkschaftsfunktionäre treten in Unternehmen auf, unerzogen, pöbelnd. Alles unter der leidenden Duldung der Unternehmer und Führungskräfte. Ihre Lieferanten führen Gespräche mit Ihren Kunden, ohne SIE!   

SIE müssen der Koordinator sein, Sie haben das Wissen, die unternehmerische Fähigkeit.

Mein Appell: Tun Sie was.

Unterstützen Sie kraftvoll diejenigen, die den richtigen Weg gehen und Widerstand erheben.

Nach mir wird der von mir sehr geschätzte Herr Ostermann vom Verband sprechen. Lieber Herr Ostermann, ich wäre unredlich, würde ich mich grundsätzlich als Freund der heutigen Verbandsstruktur sehen. Die Verbände haben sich zu Organisationen entwickelt, die mehr für sich als für die Unternehmer da sind. Wie die Gewerkschaften.

Da ist dringend und radikal was zu tun. Die Unternehmer brauchen starke Interessenvertreter. Ich weiß, dass Herr Ostermann zu den Reformkräften zählt – aber auch er hat gegen alte Strukturen zu kämpfen – auch wenn er das für sich so nicht zugeben kann. Jeder hat doch den Verband, den er verdient!

Gehen Sie aktiv in den Verband und ändern ihn, meine Damen und Herren oder bleiben Sie draußen. Unterstützen Sie die Redakteure der Fachzeitschriften, die aktiv das Bild der Branche positiv darstellen wollen. Die sind auf Ihre kritische und engagierte Beiträge angewiesen!    
Welche Außenwirkung hat denn unsere eigene Industrie, die für andere Kampagnen herstellt?

Ich weiß, die Zeit fehlt! Doch dann dürfen wir uns nicht beschweren.
Gemeinsam mit allen zur Verfügung stehenden Kräften meine Damen und Herren müssen wir eine Kampagne starten für Leistung, Belohnung und fairen Wettbewerb.

In der Branche ist eine Kampagne nötig, die aufzeigt, was die Unternehmen alles leisten und geleistet haben – wir sollten auch dagegen kämpfen, dass man das Wort Druck schon scheut – selbst Hochschulen, die unseren Nachwuchs ausbilden, vermeiden verstärkt dieses Wort.
Druck und alles was drucken ist, hat Zukunft, hochautomatisiert, wie wir heute wieder sehen. Wir müssen das Bild verändern, Stimmung für die Branche machen.

Ich glaube, das wird gelingen. Wenn Millionen Menschen gebannt vor dem Fernseher sitzen, weil sich ein geistiger Kleinrentner Kakalaken in die Hose schüttet, dann muß es auch möglich sein, für die Begeisterung zu wecken, die den Menschen Zukunft geben in diesem Land und dieser Branche
Mein Bild über den Bogenoffset 2010 ist freundlich, ist optimistisch. Auf dem Weg dorthin gab es in den letzten Jahren viele Insolvenzen. In 2004, davon bin ich überzeugt, wird es ähnlich.

Doch:

Ich möchte Ihnen aber aus voller Überzeugung Mut machen: Der Bogenoffset hat die besten Chancen, sich positiv zu entwickeln – besser gesagt: er wird sich nicht entwickeln – Sie werden ihn entwickeln.
Spreu wird sich von Weizen trennen. Proaktiv werden Sie 2010 gesund erreichen. Und wenn Sie aus meinen Ausführungen, die eine oder andere Argumentation bereits notiert haben, fangen Sie sofort an - nicht erst nächste Woche – denn das kennen Sie ja – wegen vieler dringlicher Dinge kommen Sie dann nicht zu Wichtigem.

Ein letztes Wort: Vergessen Sie sich nicht!

Seien Sie gut zu sich selbst, denn Sie brauchen Ihre Kraft. Auch damit fangen Sie noch heute an. Ich bin sicher, Fritz Torneden hat vorausschauend unten alles dafür vorbereitet.

Meine Damen und Herren, ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen Kraft, Ideen und Zuversicht auf dem Weg zu 2010.
Ich wünsche mir von Ihnen Zivilcourage und Mut, Kantigkeit, Unbequemlichkeit. Für unsere Zukunft in der Branche und für die Freiheit durch Marktwirtschaft.

Denken Sie daran: Wer zur Quelle will muß gegen den Strom schwimmen. Tote Fische schwimmen mit dem Strom.

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