Presse und Verlautbarungen

Rede Wandsbeker Gespräche 14. April 2005

09.05.2005

Lieber Fritz Torneden,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich freue mich, dass ich erneut vor diesem hochkarätigen Kreis sprechen darf. Die Wandsbeker Gespräche sind zu einer Marke (veranstaltet von einer Marke) deutschlandweit geworden und in diesen Monaten versucht man auch im Süden der Republik von MAN so etwas zu organisieren. Ich bin sicher, das wird auch gut aber anders. Fritz Torneden ist nicht kopierbar.

Ich bin gerne zu Gast, ob in aktiver Rolle oder als Zuhörer, weil hier der Puls der Branche zu hören ist. Es sind zum einen die Inhalte und Diskussionen hier von den Referenten, zum anderen die vielen Gespräche mit den Handelnden aus den Unternehmen, den Führungskräften und Unternehmern.

Wenn ich mal so die Innovationen, die Automatisierung und Technologieentwicklung im weiteren Sinne betrachte, dann dienen sie zum einen der Weiterentwicklung des Print-Produktes, zum anderen der Verbesserung der Wertschöpfung für die Druckunternehmer.

Und die investieren, modernisieren. Investieren ist mit hohem unternehmerischen Risiko verbunden. Dieses Risiko bezieht sich auf die Bankkonten, das eigene Kapital und auch auf die Gesundheit und die Falten und grauen Haare. Dagegen steht – so die marktwirtschaftliche These – der Unternehmerlohn, die Belohnung mit hohen Gewinnen. Die Seite der Medaillie mit den Risiken stimmt. Wie sieht es mit der anderen, der Belohnung aus?

Wo ist eigentlich das ganze Geld geblieben, das Sie für Rationalisierung, Automatisierung eingesetzt haben? – Ich möchte das nicht weiter vertiefen. Irgendetwas stimmt da mit dem System nicht.

Dazu möchte ich Ihnen aus der aktuellen Presse zu Beginn zwei kurze Aussagen zitieren:

Mathias Döpfner
Müntefering

Liebe Freunde, wenn man Jahrzehnte alles daransetzt, Leistung zu bestrafen, Elite als Schimpfwort zu deklarieren, dann zerstört man in Deutschland den wichtigsten Rohstoff den man hat: die Power des Mittelstandes und das führt zu der Entwicklung von blutarmenen Konzernen. Sie sind Mittelstand und Leistungsträger dieses Landes und wir sollten uns die Worte von Döpfner immer wieder klar machen – Gewinn erwirtschaften ist Sinn unternehmerischen Handelns.

Soweit zum Strukturwandel, der in den Köpfen beginnen muss. Strukturwandel Bogenoffset heißt unser Thema.

Was brauchen wir in der Druckindustrie, um den Strukturwandel zum eigenen Erfolg zu machen? Was ist überhaupt unter dem gelassen ausgesprochenem Wort „Strukturwandel“ zu verstehen? Haben wir überhaupt einen solchen?

Ich möchte mit Ihnen heute etwas darüber nachdenken, was sich verändert, auf was wir wie Einfluss nehmen sollten. Es können nur Anstöße sein, die ich hier versuche so konkret wie möglich zu formulieren. Ich möchte Sie ermuntern, Herr oder Frau des Verfahrens zu werden, Mut und Zuversicht aufzubringen, um wieder selbstbewusst auftretende Unternehmer und Führungskräfte zu sein, die stolz auf Erfolg sind.

Zunächst mal sollten wir sagen, was wir für den heutigen Vortrag mit  Strukturwandel meinen. Ich denke, da kann ich Entwarnung und Entspannung anbieten.

Ich meine nicht die Veränderungen, die sich in der Technik ergeben. Colour Management, JDF, CTP, das sind alles Weiterentwicklungen, die viel Sachverstand erfordern, Aufmerksamkeit, Know-how und kluge Entscheidungen. Oft auch die kluge Entscheidung, ob man alles mitmachen soll und in welchem Umfang es wirklich der Wertschöpfung und dem Unternehmenserhalt dient oder mehr dem „nice to have“. Wissen Sie, da hat die Druckindustrie ganz andere Zeiten hinter sich und hat sie erfolgreich gemeistert.

Wir haben Generationen hier, die echte Strukturveränderungen, ja technische Revolutionen gemeistert haben. Meist war es zwar so, dass zunächst die Anhänger des Alten gesagt haben: Das kommt nie, geht nie, das Alte ist unschlagbar. Dann ging’s aber meist zügig voran nach dem Motto: „follow the leader“.

Was wir technologisch derzeit bewältigen müssen ist keine Ablösung des Buchdrucks durch Offset, keine Veränderung vom Bleisatz auf Fotosatz und auch von Fotosatz auf DTP, es ist eine mehr lineare Entwicklung. An den technologischen Strukturveränderungen werden die wenigsten scheitern, nur Mut.

Die Veränderung, die mich heute hier mit Ihnen beschäftigt heißt, Antworten finden auf den Zusammenbruch der Renditen, dem eigentlichen Motiv unternehmerischen Handelns. In den Unternehmen, in unserer Branche und in unserer Volkswirtschaft hat sich in den letzten Jahren etwas geradezu drastisch verändert. Darauf müssen Strukturen verändert werden! Der Titel meiner Überlegungen richtet sich also auf die Zukunft: Welche Veränderungen brauchen wir im Bogenoffset.

Ich habe bei meinem Vortrag vor Ihnen 2004 das Thema Markt in diesem Zusammenhang ausführlich behandelt. Ich habe meine umfangreichen Untersuchungen, die derzeit noch laufen vorgestellt, die allesamt das gleiche zeigen: Der Markt, Ihre Kunden brauchen Sie heute mehr, als Sie Ihnen heute geben. Das Dilemma ist nur, dass die Ihnen auch immer weniger von dem geben, was Sie brauchen, nämlich Geld für eine exzellente Leistung. Dazu später.

Innovative Gestaltung des Druckproduktes, technische Beratung über Neuerungen, über neueste Entwicklung in Papiersorten, über FM-Raster, Formatmöglichkeiten und vieles mehr. Dazu müssen Ihre Verkäufer von Kunden vieles wissen, damit sie gezielt beraten können. Weiterhin ist das Wissensdefizit über Technologien und die Entwicklungen im Bereich Papier, Farbe, Lacke, Veredelung groß. Oder schulen Sie regelmäßig? Eigentlich gehören auf die Wandsbeker Gespräche Verkäufer. Fritz Torneden, eine Anregung, honorarfrei!

Manche Verkäufer wissen vielleicht sogar viel, wollen es aber nicht dem Kunden sagen. Bloß nicht mit was Neuem verunsichern, bin ja froh wenn ich ihm über das Alte ein Angebot machen kann. Ich habe in immer mehr Unternehmen den Auftrag, den Verkauf intensiv zu steuern. Ich muss die Damen und Herren oftmals aus ihrer Komfortzone heraus holen. Das führt nicht immer dazu, dass ich in der Beliebtheitsskala ganz oben stehe.

Die Veränderung im Verkaufsverhalten ist ungeheuer schwer zu erreichen. Eine große Anzahl von Verkäufern ruft immer noch potentielle Kunden an mit dem kreativen Argument, er wolle mal sein Unternehmen vorstellen. Lange hat der Einkäufer auf diese Gelegenheit gewartet!

Die Anforderungen an den Verkauf eines Unternehmens haben sich gravierend geändert, damit die Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiter und die Organisation und die Führung. Sie muss nämlich stattfinden. Da helfen keine Alibi-Seminare, die den Mitarbeitern sagen, wie wichtig seine Körpersprache ist und dass er den Finger aus der Nase nehmen muss, um dem Kunden die Hand zu geben. Sammy Molchow ist unterhaltsam aber gehört in Rente!

Wenn ich die diversen Veranstaltungen höre und die Gazetten lese, dann freue ich mich über die Stabilität unseres Wirtschaftssystems, was das alles aushält.

Da redete vor wenigen Wochen jemand über die Lösung aller Probleme schlechthin: Kundenloyalität heißt das Zauberwort. Sorge für Kundenloyalität und der Geldesel streckt sich, oder was?

Ein anderer hatte die Formel: Wertesäule aufbauen. Das ist Aufgabe des Papstes aber nicht die Lösung im Verdrängungswettbewerb, meine Damen und Herren.

Seien Sie so gut, sprechen Sie mit den Autoren und Wanderpredigern mal Klartext oder sagen Sie ihnen, Sie kommen zum Seminar unter der Bedingung, dass die mal 3 Monate Zwangsarbeit bei Ihnen im Verkauf machen.

Ich will mich dem Thema Verkauf heute nicht weiter widmen. Ich habe beim letzten Mal hier im Saal einige konkrete Empfehlungen zum Thema Verkauf gegeben. Da Sie Stammgäste hier sind, will ich Sie nicht langweilen. Sie haben wohl meine Empfehlungen umgesetzt, deshalb sind Sie noch hier.

Ich möchte mich unter der Gesamtüberschrift Prozessoptimierung mehr  der  technischen Führung widmen:

Wir befinden uns zweifellos im Verdrängungswettbewerb, im Kannibalismus. Der Preiskampf ist ein untrügliches Signal und  er tobt. Meine Prognose: Er wird noch weiter toben und härter werden. Ich habe das 2003 und 2004 exakt auch hier vor Ihnen so prognostiziert. Zu überlegen ist allerdings, ob die sogenannten Überkapazitäten tatsächlich das Spiegelbild der Preiserosion sind.

Sie wissen, dass ich auch im Rollenoffset als Berater aktiv bin. Hier vollzieht sich in den nächsten Jahren eine weitere grundsätzliche Strukturveränderung, die längst begonnen hat und im letzten Jahr etwas ruhiger war. Die Übernahme von Johler-Druck durch eine Equity group als zweite Übernahme in der Druckindustrie ist für mich ein Zeichen konsequenten Handelns und ein klares Indiz, das zu Offensivität auch bei anderen Marktpartner führen wird. Der Blick des Kaninchens auf die Schlange überwiegt leider noch. Hier wird Größe ein wichtiger Erfolgsfaktor. Aber ich will nicht weiter auf den Rollenoffset eingehen.

Im Bogenoffset beginnt die „Unmoral“ in der Kundenbeziehung zuzunehmen. Die Preise sind Hauptargumente, ob Sie nun eine Wertsäule aufgebaut haben, ob Sie sich ins Herz der Kunden versetzt haben oder Kundenloyalität schaffen. Frei nach dem Mott: „Ich bin doch nicht blöd“ kauft der Kunde nicht zu einem höheren Preis, als er muss. Diese Erosion ist in der Rolle längst traurige Gewohnheit, im Bogenoffset ist die Tendenz zwar auch schon lange so, wird aber eher stärker. Wie weit machen Sie mit?

Ich hatte kürzlich bei einem Bogenoffsetunternehmer wieder so ein Schreiben in der Hand, in denen der Kunde den Drucker um seinen Beitrag zur Verbesserung der Rendite bat, damit „wir in Zukunft erfolgreich zusammenarbeiten“.  3 % aus bereits bezahlten Umsätze zurückzahlen, ohne die Gewissheit oder Zusage eines Umsatzes für das Folgejahr. Man soll es nicht glauben: Manche tun das! Wo leben wir denn?

Jeder fragt sich, wie der andere das macht. Wie er es gemacht hat, kann man oft dann sehen, wenn wieder ein Insolvenzverwalter verkündet, das Unternehmen sei fortführungsfähig und habe volle Auftragsbücher. Hier in Hamburg gibt es Beispiele genug. Liebe Insolvenzverwalter: Insolvenzen gehören zur Marktwirtschaft!

Schafft nicht eure nächsten Einsatzorte dadurch, dass Ihr subventioniert die Regeln des Marktes verletzt.

Wenn also draußen am Markt die Preise sinken, dann muss drinnen im Unternehmen alles so organisiert sein, dass es wirtschaftlich optimal läuft. Alles was in Ihrem Unternehmen geschieht, ist ein Prozess. Von Auftragseingang bis zum Versand. Und wenn das optimiert laufen soll, wie ich sagte, dann ist das „Prozessoptimierung“.

Nein, ich halte Sie nicht für unterbelichtet. Ich will Ihnen damit deutlich machen, dass sich hinter diesem Wort kein akademisches Hexenwerk verbirgt. Das stellen manche gerne so dar, weil sich dann mehr und länger Geld verdienen lässt. Ich kann es auch unter dem Begriff „Technisches Controlling“ erklären. Steuerung im Sinne von konsequenter Führung. Und da sind wir beim zentralen Thema. So, wie ich eben gefordert habe, den Verkauf nach den Anforderungen des Marktes wirtschaftlich gezielt zu führen, so gilt das auch für die Technik.

Und da habe ich auch so meine Erfahrungen. Es gibt einige Unternehmen, die haben mich gezielt eingesetzt, dieses Vorhaben von außen zu steuern, weil der Prophet im eigenen Land nichts gilt. Man hat’s dem technischen Leiter immer wieder gesagt, aber irgendwie klappt es nicht.

Woran liegt es? Ja, ja, das Tagesgeschäft. Spätere Lieferung von Daten, Qualitätsprobleme, Personaleinteilung, Dispoprobleme, Maschinenbruch. Immer im Einsatz, der technische Leiter, immer irgendwo vor Ort, wo’s klemmt. Dann ist er ohnehin sein eigener Abteilungsleiter, weil der eigentlich es eh nicht packt, krank oder im Urlaub ist. Der Bürokram wird auch immer mehr, wann also soll er noch dieses technische Controlling machen? Erdrückende Argumente für den Chef, der ihn 3-6 Mal aufgefordert hat, es zu tun. Soll er den armen Kerl noch mehr belasten, nicht, dass er die Brocken hinwirft.

Welcher Chef hat auch schon Lust, sich ständig als Querulant in diese Diskussion zu begeben? So gibt er es auf, nur hin und wieder zuckt es. Aber der TL kann das Klavier gut spielen.

Nun mach ich mich bei einigen hier nicht so beliebt aber... ich verstehe Sie ja. Um das erfolgreich zu machen, muss sich einiges ändern in der Organisation, im Selbstverständnis. Ein Drucker der rumsteht ist nicht immer faul. Er hat vielleicht seine Maschine so gut organisiert und im Griff, dass er sich das leisten kann. In den Unternehmen, die bei unserer Analyse die besten Werte hatten, war am wenigsten Hektik und Ärger, dort war aber auch seit Jahren das Thema der Abläufe auf der Tagesordnung.

Die genaue Auswertung der Aufschreibung, wie Warten auf Platte, Warten auf Aufträge,.... auf Papier und die Formulierung von eindeutigen klaren Änderungen  bleiben oft ebenso liegen wie die genaue Untersuchung des Papierlagers, der Papierbestellung, der Beschickung der Maschine. Ein weiteres umfangreiches Thema ist Wartung. Hier beginnen wir im Mai mit einem Projekt gemeinsam mit MAN und EWA.

Ich denke, Herr Schönbucher wird hierzu gleich detaillierte Ausführungen machen. Als Berater steuere ich solche Prozesse, das geht für einen gewissen Zeitraum, es funktioniert aber nur, wenn die ständige Prozessoptimierung von der Unternehmensleitung als klare Anweisung verstanden wird, als Spielregel und dauernd abgefordert wird – regelmäßig! Sobald Sie das aufhören, hört es auf.

Meine Damen und Herren,

und ich appelliere sowohl an anwesende Unternehmer als auch an die Führungskräfte. Ein Unternehmen ist keine Veranstaltung der Beliebigkeit und auch keine Demokratiebewegung. Es gilt, Spielregeln einzuhalten. Diese Spielregeln bestimmt der Markt, das ist unsere/Ihre Chance. Der Markt ist gefühllos, grausam, weil konsequent. Aber er ist in sich gerecht und sozial. Überall da, wo in den Markt eingegriffen wurde und wird, ist das letztlich zum Schaden der Menschen. Das Schicksal vieler Arbeitsloser in Deutschland hat seine Ursache im Eingriff des Staates in den Markt,. Doch dazu zum Abschluss noch ein Wort.

Zunächst zu den Unternehmen, Ihren Unternehmen. Wie ist der Zusammenhang mit Prozessoptimierung? Der Markt belohnt den Besten – normalerweise. Um im Markt also bestehen zu können, müssen Sie besser sein, als Ihre Wettbewerber. In unserer heutigen Diskussion sprechen wir nicht über Nischenpolitik, sondern gehen von der Mehrzahl der Fälle aus: die Leistung erbringen, die andere auch anbieten. Sie müssen also Ihr Feintuning ständig überprüfen und optimieren, um besser zu produzieren, damit Geld verdient wird.

Und das passiert nicht von selbst. Je nach Unternehmensgröße ist das Chefaufgabe, technischer Leiter, Betriebsleiter oder Abteilungsleiter. Sagen Sie bitte nicht: „Alles im Griff, tun wir doch.“ Ich will Ihnen zwei Beispiele nennen, bei denen ich ausreichend Erfahrung sammeln konnte, um heute hier mit Sicherheit sagen zu können, dass da noch sehr viel möglich ist.

1. EWA, Sie kennen die EWA, European Web Association, eine Rollenoffsetorganisation, die ich vor 7 Jahren gegründet habe und in der ca. 45 namenhafte Unternehmer vertreten sind. Sicher glauben Sie, dass die schon alles durch- und durchrationalisiert, alles fest im Griff haben. Glaubten die selbst auch. Bis wir mit freundlicher Unterstützung von MAN-Roland ein Projekt „Prozessoptimierung“ gestartet haben. Da werden die Prozesse eingehend durchleuchtet. Wie kann der Nutzungsgrad verbessert werden, wie können wir Makulatur reduzieren (u.s.w.)? Und dann gab’s da etwas Besonderes, das ich als revolutionär für die deutsche Druckindustrie bezeichnen möchte und auf das ich auch etwas stolz bin.

Da haben sich Unternehmer zu Projektgruppen zusammengefunden und lassen sich gegenseitig in die Karten schauen! Wettbewerber!

Im Rahmen der Prozessoptimierung wurde ein Vergleich untereinander angestellt. Es wurde ein benchmarking betrieben. Zusätzlich zum Ziel, grundsätzlich in seiner Leistungsfähigkeit besser zu werden, entstand noch sportlicher Ehrgeiz. Der eine war im NG besser, der andere hatte bessere Makkuquoten der 3. hatteSchwächen in der Instandhaltung usw.

So steigerten alle ihre Leistungsfähigkeit, überall waren noch Verbesserungen möglich, selbst der, der in einem Bereich der Beste war, verbessert nochmals seine Leistung.

Wir haben inzwischen drei Gruppen – alle drei funktionieren. Die Ergebnisverbesserungen liegen im hohen 6-stelligen Bereich.

Ich möchte nochmals betonen: das sind keine undurchschaubaren Tricks und Rechenformeln der Großen.

Da geht es darum, auf die täglichen Dinge draufzuschauen, immer wieder, da geht es um Konsequenz und Führung.

Was glauben Sie, was alleine im Papierlager für Einsparungen möglich sind. Nicht nur in der Logistik, dem wirtschaftlichen Papiereinsatz. Nein, noch simpler. Mal der Sache nachgehen, was die Beschädigungen von Rollen im Jahr ausmacht. Dann fiel auf, dass der Mann im Rollenlager seine Aufgabe sehr gewissenhaft macht: er schälte sehr gründlich ab. Lieber mal `ne Lage zuviel als zuwenig. Was da im Betriebsergebnis rauskommt, ist enorm – nachweislich.

2.Seit geraumer Zeit gehört das Thema konsequentes technisches Controlling bzw. Prozessoptimierung zu meinen Lieblingsbeschäftigungen in Bogenoffsetunternehmen. Ich mache da immer dieselbe Erfahrung: „Machen wir doch“ ist die Antwort auf meine Frage, ob Tageszettel ausgewertet werden. Nur unter Auswertung verstehen die meisten etwas anderes.

Manchmal verstehen sie darunter nur die Darstellung von Sachverhalten. Zum Teil sehr schön und farbig.

Oft auch verstehen sie darunter, bei Abweichungen gute Erklärungen gefunden und diskutiert zu haben. Wirklich kreative und rhetorische Meisterleistungen.

Oft wird leider auch nur das Abhaken einer nicht weiter hinterfragten Pflichtübung verstanden.

Recht selten wird es zum System der Konsequenz, einer notwendigen nicht endenden Spirale.

Beispiel: Der Betriebsleiter eines Unternehmens meldet sich zum Stichtag, als ich seine Ergebnisse mit ihm besprechen wollte, erst krank, dann liefert er gehorsam aber genervt etwas ab, mit dem keiner was anfangen kann und in dieser Woche verschiebt er seine Pflicht mangels Zeit und weil das EDV-System nicht richtig funktioniert. Er betrachtet die Forderung an ihn als lästig, als willkürliche Unterbrechung seiner wertvollen Arbeitszeit.

Zu tun ist Folgendes:

1.      Der technische Leiter muss erkennen, dass die wirtschaftliche Optimierung der Technik seine Aufgabe und Verantwortung ist, die ganz oben steht.

2.      Er muss dazu befähigt, qualifiziert werden.

3.      Die Maßnahmen, die beschlossen wurden, müssen konkret nachvollziehbar, messbar und erkennbar sein – keine allgemeine Absichtserklärung.

4.      Das ganze muss zu einem Ritual werden, an das sich alle Beteiligten gewöhnen.

5.      Der Erfolg muss positiv kommuniziert werden.

6.      Hier wie überall – es muss Konsequenz her. Der Chef darf kein Papiertiger sein. Ein Mitarbeiter, der sich auch nach allen Bemühungen nicht an die Spielregeln hält, ist verantwortlich für den Abstieg, er ist unsozial und gehört vom Platz!


Zusammengefasst:

1.       Prozessoptimierung und Kostenmanagement sind dringende Notwendigkeiten im Verdrängungswettbewerb. Auch Unternehmen, die schwarze Zahlen schreiben, brauchen dieses Werkzeug, weil es dazu führt, Geld zu verdienen und das ist Ziel unternehmerischen Tuns.

2.       Es ist eine einfache Aufgabe, die nur Systematik und Auswertung bestehender Daten verlangt.

3.       Sie hört nie auf.

4.       Sie ist notfalls zu verordnen.

5.       Die Unternehmenskultur muss sich durch Konsequenz und das Leistungsprinzip auszeichnen.

Um all das erreichen zu können, müssen folgende Faktoren eindeutig bewusst sein:

1.      Diese Agenda 2010 muss umfassend sein und schnell nachvollziehbar umgesetzt werden. Keine Salamitaktik, kein Hü und Hot.

2.      Sie dürfen eine gewisse Radikalität nicht scheuen. Diese Klarheit und Radikalität ist auch nötig, damit die Mitarbeiter dem ganzen auch Vertrauen schenken. Mit „backe, backe Kuchen“ erreichen wir keine schnelle Verbesserung. Die Wanderprediger, die das erzählen, haben noch nie im Gefecht gestanden.

3.      Sie müssen langfristig denken und auch Schwierigkeiten durchstehen. Wenn Ihnen deswegen jemand mit Kündigung droht oder kurzfristig Unruhe im Unternehmen entsteht, dann ist das durchzuhalten.

4.      Sie als Unternehmer und Führungsteam müssen wirklich wollen und dürfen nicht an Ihrem eigenen Programm zweifeln – sonst können Sie keinen Widerstand überwinden.

5.      Ohne Mut zur Unpopularität geht es nicht. Erfolgreiche Menschen sind eckig, sie nehmen in Kauf, angegriffen zu werden, werden langfristig aber wegen ihrer Erfolge und Gradlinigkeit mehr anerkannt als diejenigen, die everybodies darling sein wollen.

Liebe Zuhörer, vor einiger Zeit hat ein Redakteur einer Fachzeitschrift zu meinem konsequenten marktwirtschaftlichen Forderungen auf einem Symposium geschrieben:

„Michael Dömer wird mit seinen Thesen zum Manchasterkapitalismus den Unternehmern aus dem Herzen gesprochen haben“.

Pisa lässt grüßen! Wer das Leistungsprinzip, wer die Grundlagen des Marktes außerhalb wie innerhalb des Unternehmens weiter missachtet, der macht sich schuldig am Niedergang unserer florierenden Wirtschaft und der Arbeitslosigkeit von Menschen, die darauf vertrauen müssen, dass die Führung unserer Wirtschaft das tut, was richtig ist und nicht das, was kurzfristig Beifall bringt und gefällt.

Prozessoptimierung ist konsequente Unternehmensführung und damit eine Antwort, was sich strukturell wandeln muss.

Es mag sich bitter anhören:

Der Zustand unserer Volkswirtschaft, durch politische Fehlsteuerung verursacht, hat zu großen Problemen im Mittelstand geführt. Ich empfinde es als zynisch, wenn immer wieder geschrieben wird, dass alle Unternehmer, die dabei zugrunde gehen, Versager sind und die guten aus dieser Krise gestärkt hervorgehen.

Auch die sogenannten Guten müssen kräftig Federn lassen. Das Problem ist, dass in dieser Strukturveränderung immer mehr Mittelstand auf der Strecke bleibt – wer so locker schreibt, hat meist nie ein Unternehmen geführt. Er sollte stärker recherchieren.

Eines aber muss auch gesagt werden. Viele Insolvenzen wären vermeidbar. Viele Pleiten sind auch vom Mittelstand verschuldet, die Visionen liebten und das Controlling verteufelten. Wer sich vor sein Publikum stellt und von Visionen redet, nur davon, dass der Mensch im Mittelpunkt steht und alle im Herzen des Kunden denken müssen, der erobert sein Publikum im Sturm, der erntet spontan Applaus, weil er die Emotion trifft, weil dann keiner nachdenkt, welch banales Geschwätz das oft ist.

So etwas funktioniert in der Politik bei Wahlkämpfen ausgezeichnet.

Es wird nicht geredet, um etwas zu sagen, sondern um Wirkung zu erzielen.

Diese Vernachlässigung ökonomischer Grundlagen zugunsten populistischer Phrasen hat Deutschland in die Schwierigkeiten gebracht, in der wir stecken und  bringt auch die Druckunternehmer in Schwierigkeiten, die beseelt von einer Scheinwelt so handeln.

Wenn wir marktwirtschaftlich auch in Unternehmen handeln, dann kommt das Soziale von selbst. Umgekehrt wie nie ein Schuh daraus.

Das ist auch ein Plädoyer für Prozessoptimierung, Kostenmanagement, technische Controlling. Konsequenz und klares Abfordern ist sozial. Mitleid mit den Wölfen ist Grausamkeit gegenüber den Schafen.

Ganz aktuell sehen wir an der hohen Popularität des verstorbenen Papstes, dass jemand, der einen klaren Weg geht, auch von seinen inhaltlichen Gegnern anerkannt wird, in der Politik gab es Beispiele wie Strauß und Wehner.

Weil ich heute bei Ihnen sein darf und weil es mir so immens wichtig ist für unsere gemeinsame Zukunft, erlauben Sie mir zwei Dinge als Appell zu formulieren, so wie ich es immer tue. Das eine an Sie, die Unternehmer und Führungskräfte, das andere an unseren Gast aus der Politik und vielleicht noch eine Bitte an Fritz Torneden und die anderen Repräsentanten aus der Lieferindustrie hier im Raum:

1. An Unternehmer und Führungskräfte

Die Druckindustrie kann auf ihre Leistung stolz sein – über Jahrzehnte, Jahrhunderte! Das ist heute noch so. Wir haben in unseren Unternehmen hochqualifizierte Fachleute auf allen Ebenen und in mehreren Stufen. Wir arbeiten mit hochentwickelter Automatisierung und Technologie, mit komplizierten Stoffen im Bereich Farbe, Lack, Papier.

Wir fertigen exzellente Produkte! Der Bogenoffset hat sich längst zu einer industriellen Fertigung entwickelt.

Doch wo ist das Selbstbewusstsein? Es gehört nicht viel dazu, mal gegenüber einem Lieferanten die Muskeln spielen zu lassen. Wir brauchen das Selbstbewusstsein, dass diese Leistung etwas Wert ist!

Meine Damen und Herren, seien Sie unternehmerisch und setzen Sie das durch, was Sie für richtig halten – glauben Sie selbst an sich und das, was Sie vertreten. Lassen Sie sich nicht durch Leute verunsichern, die mit Ihrer Verunsicherung Geld verdienen. Schämen Sie sich nicht für Erfolg und Geld verdienen. Erfolg ist was folgt, wenn man sich selber folgt.

Strukturwandel in diesem Sinne heißt, wieder an die eigene Struktur zu glauben, sie selbst zu beeinflussen, zu entwickeln und sich nicht entwickeln zu lassen. Vielleicht sollten wir im Bogenoffset etwas zusammenrücken, eine Interessengemeinschaft bilden. Etwas Ähnliches wie die EWA im Rollenoffset.

Auf die Verbände werden wir vergebens warten. Funktionäre werden nie unternehmerisch handeln, die sind mit sich selbst beschäftigt.

Also nehmen Sie es an die eigene Hand. Es wäre doch mal toll, wenn aus einem Wandsbeker Gespräch eine nachhaltige Entwicklung ausgelöst wird, weil am Ende 3-4 Unternehmer eine Selbsthilfegruppe gebildet haben – aus der dann eine Bewegung wird, oder?

2. Lieber Fritz, liebe Zulieferer,

wenn wir über Prozessoptimierung reden, dann beginnt der Prozess mit Ihren Materialien und Maschinen. Es wird höchste Zeit zu erkennen, dass wir in einem Boot sitzen. Die Bestandteile des Prozesses müssen viel mehr zusammen Strategien entwickeln. Netzwerke müssen leben. Die Wandsbeker Gespräche sind dazu ein Beginn, aber es muss noch viel folgen – und zwar im Tagesgeschäft, nicht nur bei Events.

Lassen Sie es uns doch nicht nur mit Schulterklopfen und „ja, so könnte es gehen“ belassen. Es wird überall zu viel geredet und zu wenig gehandelt.

Meine Damen und Herren, seien Sie in allen Dingen mutig fordernd:


·        zu sich selbst

·        im Unternehmen, um Geld zu verdienen

·        auch selbstbewusst gegenüber Kunden

·        und natürlich den Lieferanten

Dann schaffen wir die Strukturveränderung, die wir brauchen. Dann klappt’s auch mit dem Geld verdienen.

Herzlichen Dank!

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