Presse und Verlautbarungen

Rede Dehnberger Forum vom 09. Juni 2005


Lieber Herr Frey,

Ihnen als Intendant des heutigen Theaters danke ich herzlich, dass ich vor diesem exzellenten, hochkarätigen, begeisterungsfähigen und auch kritischen Publikum auftreten darf.

Ich möchte Sie an dieser Stelle bereits beglückwünschen zu Ihrer Idee und Ihrem Engagement, eine solche Idee umzusetzen, zum Ort, zur Zusammensetzung von Publikum und Akteuren und vor allem zum Thema.

Lieber Herr Finkbeiner, es müsste ganz nach Ihrem Geschmack sein, dass hier die neue Rolle des Druckmaschinenherstellers erlebbar wird – ein Rollenwechsel.

Mal keine der austauschbaren Veranstaltungen der Selbstbeweihräucherung oder der Erläuterungen über Zylinderbreiten gemischt mit Nebelkerzenwerfern und Opiumverkäufern über die angeblich modernste Managementweisheit aus Fernost oder den Schwarm der Lemminge.

Hochverehrtes Publikum, meine sehr geehrten Damen und Herren des – überwiegend – absurden Theaters der Druckindustrie.

Es ist doch phantastisch, alle sind da, die an diesem Stück mitwirken:

Die Druckunternehmer als Akteure, Darsteller, die alles geben, um den Anforderungen des Publikums gerecht zu werden.

Die Kunden, heute auch „print buyer“ genannt – übrigens soll das nichts mit dem Bundesland zu tun haben, in dem wir heute spielen, sonst müsste es ja „print franke“ und nicht print buyer heißen. Der print buyer also als Publikum, das Anforderungen hat und dessen Applaus und Eintrittsgeld Sie  als Unternehmer der Druckindustrie brauchen.

Alle die, die zum Gelingen noch beitragen, die Beleuchter, Maskenbildner, Kostümverleiher –  diese in Verkleidung der Lieferanten vom Maschinenbau, Farbe, Papier, Platten und alles, was so nötig ist, um aus den Teilen ein ganzes, ein grandioses Stück zu machen.

Einige Statisten und Kulissenschieber habe ich auch schon entdeckt. Sogar die Kritiker sind da – ich begrüße herzlich die Redakteure der Fachpresse, die Reich-Ranitzkis des heutigen Tages. Ich bitte schon jetzt um gütige Nachrede.

Ich möchte auf einen weiteren Prolog vor diesem Stück heute verzichten. In der griechischen Tragödie wurde die Vorrede, der Prolog, oft durch den Chor vorgenommen.

Das nun hätte bedeutet, dass ich die Druckunternehmer – also Sie gemeinsam mit Ihren Lieferanten - hätte zu einem Chorgesang auffordern müssen. Die Vorstellung von diesem Ereignis hat mich dann doch bewogen, davon Abstand zu nehmen. Danach wäre nichts Vernünftiges mehr möglich gewesen.

Und da sind wir nun bei der Frage, in welche Kategorie denn nun dieses Stück aus der Druckindustrie gehört.  Da so etwas bereits in die Ankündigung gehört, möchte ich die Spannung nehmen: Es ist von allem etwas, es ist eine Tragödie, eine Komödie, manchmal ein Drama, oft eine Operette.

Aber eines wird es für Sie heute hier im MAN Hoftheater von Dehnberg sicher sein: Ein Stück mit happy end oder besser: mit happy beginning. Happy beginning für den, der mein Regiebuch für den nächsten Akt in seiner Spielzeit auch spielen wird.

Was ist denn los auf dieser Bühne in diesem Theater?

Die Stimmung ist eher gedrückt, die rechte Freude stellt sich nirgendwo ein, höchstens, wenn sich alle abgeschminkt haben.

Die Freude am Stück heißt doch Erfolg, der sowohl in Form von Applaus als auch von Gage sichtbar wird. Wo sind die Kassenknüller?

Wo der Lohn freudiger Mühe, der zum Händereiben auf die nächste Spielsaison verleitet?

„Weiß doch der Gärtner, wenn das Bäumchen grünt, das Blüt und Frucht die nächsten Jahre zieren“ (aus Goethes Faust).

Ich habe da gerade so meine Zweifel an Blüt und Frucht.

Aber alle, die noch irgendwie können, machen weiter. Wird hier das Stück vom Untergang der Titanic gespielt? Längst den Eisberg gerammt, aber die Musik spielt weiter?

Was ist die Rettung? Gibt es eine Rettung?

 Ja, meine Damen und Herren,

 ja sind wir denn noch zu retten?

 -   dass wir daran zweifeln?

 -    dass wir das Stück nicht endlich spielen, zusammen, mit allen Kräften, aller Begeisterung, mit kraftvoller Stimme zeigen, dass wir das Regiebuch verstanden haben und wirklich spielen, statt uns hinterm Vorhang zu verstecken und beginnen, uns in der Opferrolle einzufügen?

Wie stellt sich das Szenario denn dar? Lassen Sie uns den Vorhang öffnen und zumindest einige wenige Szenen des Stücks anschauen, bevor wir das Regiebuch diskutieren.

Die Druckunternehmen geben sich redlich Mühe, ja, sie sind meist gut ausgestattet. Feinste Stoffe, beeindruckende Kulissen werden ihnen von den Lieferanten zur Verfügung gestellt. Sie buhlen um die Gunst des Publikums, ihren Kunden. Einige haben allerdings noch nicht so richtig gemerkt, dass der Publikumsgeschmack sich geändert hat.

Sie spielen mit neuen Kostümen die alten Stücke, so wie sie es früher gekonnt haben. Das Problem: Es gibt immer mehr Bühnen und der Kunde kann sich aussuchen, wohin er geht. Er ist anspruchsvoll geworden oder besser sehr verwöhnt.

Die Gäste, die ein gutes Stück wollen, haben zunächst und vordergründig ihren Spaß schon bei der Auswahl, wohin sie gehen.

Die Druckunternehmen schicken immer schönere Programmheftchen raus – sie nennen es Image-Broschüren und lassen sie von Herolden durchs Land tragen, die in der Verkleidung des billigen Jakobs – genannt Außendienst - von Tür zu Tür laufen.

Die print buyer beschweren sich zunehmend, dass die Herolde zwar den Namen des Stücks kennen, nicht aber so richtig den Inhalt. Sie sagen stattdessen manchmal: „Wir können jedes Stück und das schönste ist, der Eintritt ist frei.“

In den Beschreibungen des Stücks der Druckunternehmer – genannt Angebote – stehen schöne Sachen und auch Eintrittspreise. Der print buyer aber weiß längst, dass das mit den Eintrittspreisen nicht so böse gemeint ist.

Er weiß, der Herold wird wiederkommen und ihn unaufgefordert beruhigen, dass die Höhe des Eintrittspreises er im Grunde auch selbst bestimmen könne.

Mancher Herold ist fair und sagt es gleich dazu: man habe den Vorhang verkauft, außerdem  eine vollautomatische Bühne und außerdem spare man das Geld für die Schauspielschule, so dass bald alles noch billiger werde.

Der Print Buyer weiß das. Er geht selbst zu den Bühnen- und Kostümbildnern und weiß, was geht und das oft vor dem Herold. Somit merkt er auch, dass es stimmt, dass man das Geld für die Schauspielschule gespart hat.

Manch ein print buyer hat weitere tolle Ideen, dem Druckereitheater zu helfen. Er verspricht auch weiter ins Theater zu kommen, bittet aber darum, dieses Vorhaben auch zu unterstützen.

Er wolle nur etwas vom Eintrittsgeld, das er letztes Jahr bezahlt hat, wieder zurück haben, um mit diesem Geld dann einen Teil der neuen Karte bezahlen zu können. Sonderbonus nennt er das zur Rettung Schiffbrüchiger.

Versprechen aber kann er es natürlich nicht, vielleicht geht er ja auch mit dieser Ersparnis in ein anderes Theater, weil der Intendant dort ihm eine Premierenkarte schenkt.

Ich hatte eben berichtet, dass es ja auch noch die Ausstatter und Beleuchter gibt, genannt Lieferanten.

Es ist prachtvoll, was es da alles gibt. Immer schneller, immer breiter, immer elektronischer sind die Zutaten.

Die Hersteller machen sich natürlich auch Gedanken um sich selbst, sagen aber mit großem schauspielerischen Geschick, dass sie natürlich nur an den Kunden denken. Sie laufen von Theater zu Theater und verkaufen allen dasselbe, hoffen natürlich, dass kein Intendant mit dem anderen spricht.

Jeder glaubt, er habe ein Schnäppchen gemacht, zunehmend irren aber da die Ausstatter. Denn einige sehr kluge Intendanten haben inzwischen erkannt, dass Gemeinsamkeit stark macht und haben eine sogenannte EWA gegründet. MAN hat’s kapiert, manche Könige und Bauern und derer aus dem Geschlecht der Heidelberger noch nicht so richtig. Wir hoffen aber auch darauf – Wettbewerb belebt!

Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass über dem ganzen noch eine gütige regelnde Macht existiert – Zeus, genannt Regierung:

Da wird emsig geschrödert, manche sind schon ganz ausgemerkelt. Einige sind auf die Heuschreckenjagd gegangen, weil sie sonst auch nicht mehr weiter wissen. Alle zusammen singen auf der Bühne aber mit kräftiger Stimme das Lied des schönen Mittelstandes.

Sie singen es so laut und schunkeln dabei, damit die hochgelobten Mittelständler nicht merken, wie hinter der Bühne der listige Hans mit seinem roten Spaten das Wasser abgräbt.

Das gutmütige daran ist: Sie glauben zu wissen, dass alle ihre schutzbefohlenen Spieler nicht wissen, wie es geht und so sagen sie es Ihnen. In der Hauptrolle Bürokratia. Man muss die Menschheit vor sich selbst schützen, so der Text.

So bestimmen sie zunehmend das Stück. Und wer zu gut spielt, der muss sich schämen, dieser Angeber und sein verdientes Eintrittsgeld denen geben, die schlecht oder gar nicht spielen. Gerechtigkeit nennen sie das Stück und haben den großen Zeus Erhard in der Ahnengalerie vergessen.

Und weil zur Sicherstellung dieser gutmütigen Taten immer mehr Aufpasser nötig sind, wird der Rest vom Eintrittsgeld für gutmütige Zwecke und Personal einbehalten.

Genug! Aufhören!

Genug davon:

Der Herr zu Mephisto:

„Hast du mir weiter nichts zu sagen? Kommst du nur immer anzuklagen? Ist auf der Erde ewig dir nichts recht?“

„Nein Herr, ich finde es dort wie immer herzlich schlecht.“

Stop, liebe Freunde, die Ihres Intendanten Antwort ist nicht die des Mephisto. Jeder weiß, dass ich nicht das Teuflische, sondern das Göttliche verkörpere.

Wir sind hier zusammengekommen, weil wir wissen, so geht’s nicht weiter! Schluss mit Opferstories. Wer Opfer bleiben will, der soll jetzt gehen.  Mut! Den Mutigen gehört die Welt.

Im Film „Die Möwe Jonathan“ heißt es: Wenn du Angst hast, flieg zurück in den Schwarm zu den anderen, die auch Angst haben.“

Wir wollen wieder Herr des Verfahrens werden, das Stück spielen – mit Freude und Erfolg mit Applaus und mit Eintrittsgeld. Es ist nicht herzlich schlecht.

Alle  Beteiligten müssen  Freude dran haben. Ja, wir sind zu retten:

Wie ist das Drehbuch?

Verlassen wir den Theater-Ausschnitt aus dem Szenario der Druckindustrie – Sie wissen, es ist noch facettenreicher und hat viele Akte.

Woher nehme ich die Vermessenheit, Ihnen ein Regiebuch vorzuschlagen? Nun, neben dem Studium der Magie und den vielen Künsten habe ich viele Bühnen und Darsteller in den verschiedensten Situationen erlebt.

Ich durfte äußerst erfolgreiche Unternehmen begleiten und habe tiefangeschlagene Unternehmen – ich darf das in aller Bescheidenheit so sagen – aus der Krise geführt.

Es gibt eindeutige Symptome und Parameter zum Erfolg und Misserfolg.

Gerade im Zusammenhang mit den Anforderungen der Print Buyer an die Druckindustrie arbeite ich  zudem im Auftrag von MAN-Roland an einem äußerst interessanten Marktprojekt.

In diesem Projekt führe ich ausführliche Interviews mit Kunden der Druckereien in unterschiedlichsten Größen. Agenturen, Verlage, Versender, Handel.

Von Otto über Springer + Jakobi, OBI, Karstadt, diverse kleinere Agenturen bis zu Zeitschriftenverlagen eine wirklich repräsentative Befragung. Kein dämliches Fragebogenausfüllen, durch Azubis oder Praktikanten, sondern persönliche Gespräche zwischen den Verantwortlichen und mir. Mehrstündig.

Mit großer Bereitschaft, ja geradezu dem Wunsch mal offen darüber zu reden. Warum?

Ihre Kunden haben Wünsche, an Sie und Ihre Akteure, die Sie zum Teil nicht erfüllen.

Mehr technische Beratung – einen Schritt voraus, mehr Information darüber, was man mit dem Print Produkt erreichen will, weniger den Fahrer von Anfragen und Angeboten. Alle wünschen das Netzwerk.

Die Form, wie verkauft wird, die Qualifikation, die Verkäufermentalität ist überwiegend alt, kommt nicht an, ist nicht gewünscht.

Oftmals schaut man mich kurz verwundert an, wenn ich diese Botschaft überbringe.

Meist wird ja der Überbringer schlechter Botschaften geköpft. Bisher waren alle gnädig. Sie haben schnell eine erleichternde Erklärung gefunden: „Du hast den Falschen gefragt.“

Manche denken, man solle nicht das Stück modernisieren, sondern das Publikum erziehen oder austauschen.

Aus diesen Kritiken, Wünschen und Erlebnisschilderungen aber lässt sich vortrefflich ein pragmatisches Drehbuch für den Verkauf schreiben.

Wir sind uns doch einig, meine Damen und Herren, dass die Druckindustrie stolz sein kann, was sie leistet, welche Möglichkeiten sie bietet, Produkte aller Branchen so zu vermarkten, das sie begehrt sind. Ja, Sie machen das, Sie erfinden das, entwickeln das.

Um etwas zu bewegen, Akteur zu sein, muss erst mal das eigene Bewusstsein einer ganzen Branche gestärkt werden.

Das fängt an, dass Sie sagen dürfen, ja sollen, dass Sie eine Druckindustrie sind und wenn jemand zum Beispiel Druckingenieure ausbildet, dann darf die Hochschule auch Fachhochschule für Druck heißen, oder ist das peinlich?

Selbstbewusstsein schafft man gemeinsam, auch wenn man trotzdem miteinander im Wettbewerb steht. In meinem Regiebuch steht, dass wir Unternehmer brauchen, die gemeinsam unternehmerisch ans Werk gehen. Sie sind die Branche. Das darzustellen erfordert unternehmerische Begeisterung.

„Es ist der Geist, der sich den Körper baut!“ - heißt es so richtig in Faust.

Nochmals: es ist der Geist, der sich den Körper baut. Mit anderen Worten – ab spätestens 40 Jahren ist jeder für sein Gesicht selbst verantwortlich. Das gilt für Menschen, das gilt gleichermaßen für Organisationen und Unternehmen. Sie wissen es auch aus der Politik. Wer die Ausstrahlung einer toten Poularde hat, erreicht sein Publikum nicht – weder auf der Bühne noch im Leben, noch im Geschäft!

Das bedeutet für unser Regiebuch, dass aktiv daran zu arbeiten ist, etwas fürs Image und damit fürs Ego, fürs Selbstbewusstsein zu tun.

Das führt zum Erfolg in der Marktpolitik für Kunden bis zur leichteren Suche nach den jungen high potentials für diese Branche.

Und das ist machbar durch Unternehmer  und Lieferanten, miteinander – alle an der Kette Beteiligten.

Es wäre doch gelacht: wenn es gelingt, eine halbe Nation zu begeistern, wenn sich ein geistiger Kleinrentner, der auch noch Kübelböck heißt, vor laufenden Kameras Kakalaken in die Hose schüttet, dann werden doch wohl begeisterte Profis die Großartigkeit Ihrer Branche und Unternehmen vermitteln können!

Da ist der Ansatzpunkt von Druckunternehmern und Herstellern – sie wollen dasselbe erreichen. Doch: die eingefahrene Mentalität der Kunden –Lieferantenbeziehung überwiegt.

Hier ist ein Ansatz für eine gemeinsame Regie.

Gemeinsame PR für die Branche z. B. schafft wertvolle Synergien. Die Preiserhöhungen für Papier oder Farbe dürfen nicht beim Drucker hängen bleiben, das sollte Ihnen als Lieferanten nicht egal sein. Es gibt Möglichkeiten jenseits des Kartellamtes. Spielen Sie auf einer Bühne.

Der Regievorschlag also:

Bilden Sie Netzwerke, die konkret sind, die leben, jeden Tag. Die müssen unternehmerisch gestaltet sein und nicht im Stabsdschungel untergehen.

Auf die Bühne damit und nicht in der Garderobe bleiben! Fangen wir hier und heute damit an! Dieses Forum ist ein Anfang – wenn es weitergeht und Konsequenz hat.

Die tägliche Regie wird nun in den Unternehmen geführt. Das Spiel, was auch dort zu spielen ist, heißt Marktwirtschaft!

Wettbewerb und Belohnung des Besten steht im Drehbuch: daraufhin ist alles zu prüfen. Wer nicht sein Bestes gibt und sich nicht ans Drehbuch hält, zerstört den Erfolg des Stücks. Er darf nicht mehr auftreten. Schaffen Sie die Atmosphäre vom Wettbewerb der Besten, von Ungleichheit aber Chancengleichheit.

Ich erlebe immer wieder die Nachsichtigkeit von Chefs. Das ist nicht nachsichtig, sozial, das ist bequem und unsozial den anderen gegenüber. Dieses Stück heißt:

Barmherzigkeit mit den Wölfen ist Grausamkeit gegenüber Schafen.

Meine weitere Regieanweisung heißt:

Bilden Sie Taskforces zu verschiedenen Themen.

Diese Taskforces unterscheiden sich von Projektgruppen dadurch, dass sie kurzfristig etwas ändern – die Devise heißt: Nicht nur proben, auch spielen! Konkret werden!

Schnelle Eingreifgruppen handeln!

Regiehinweis 4 für die Unternehmensführung

Neue Formen des Verkaufens!

Ich habe bei meinem Einblick in das Stück einiges dazu gesagt.

Die Druckindustrie ist nicht zu technisch orientiert, Blödsinn. Qualifizieren Sie alle Verkäufer innen und außen so, dass sie echte offensive Berater der Kunden werden. Verkaufen heißt nicht losrennen und seinen Spruch aufsagen – Verkaufen verlangt Struktur – und viel Kompetenz. Glauben Sie mir – da ist noch viel möglich.

Bilden Sie Verkaufteams mit den Lieferanten gemeinsam, nicht nur einmal bei einem Open-house.

Es darf doch nicht sein, dass Ihre Kunden ohne Sie zum Farb-, Papier- oder Sonstwas-Lieferanten fahren – ohne Sie. Sie sind der Netzwerkkoordinator. Ein Regiebuch 2005 zur neuen Verkaufssteuerung muss her.

Ein Schauspieler übrigens, der kein Talent hat, der bleibt nicht auf der Bühne, vielleicht gibt es einen anderen Platz. Er braucht aber auch Schauspielunterricht und er muss ständig engen Kontakt zu seinem Regisseur haben. Wenn geprobt wird, dann sagt der Regisseur auch, wo er was anders will. Erst wenn das alles nix hilft, ist Ende! Führt der Chef, der Verkaufsleiter bei Ihnen in diesem Sinne wirklich Regie? Hat er sein Regiebuch? Denn es gilt der Grundsatz:

Jede Form der Macht, jede Form der Führung verlangt nach Ihrer Ausführung! 

Regie 5

Es gibt eine Reihe weiterer Details, ganz konkret, die zu einer erfolgreichen Spielzeit führen werden. Ihre Geduld möchte ich nicht so weit strapazieren.

Eine wesentliche Anweisung muss ich aber für all das geben:

Zeigen Sie selbst Profil als Chef, seien Sie Charakterdarsteller, wo immer Sie auch spielen!

Die Losung heißt, mein Schlachtruf heißt:

Die Mitte ist kein Standpunkt!

In den Unternehmen wie in der Politik wie auf diesen Brettern kann nichts Durchschlagendes entstehen, wenn ich nicht Position beziehe.

Es ist Quatsch: Die Wahrheit liegt nicht in der Mitte. Leadership ist gefragt, nach außen und nach innen. Menschen und Märkte müssen wieder Perspektiven gegeben werden, Hoffnungen.

Wer die Renessance vom Erfolg will, auf welcher Bühne auch immer, der muss den unbequemen Weg gehen.

„Sei in allem was du tust  ein Gott“ heißt es im Club der toten Dichter.

Ja, das führt zu Feinden, zu Ärger. Ich kann Ihnen da aus meinem eigenen Erleben ein Lied singen.

Es wird einige geben, die Sie dann nicht immer lieb haben – aber Sie werden noch mehr haben, die Sie respektieren, Ihren Erfolg bewundern und: Sie achten sich selbst und schöpfen daraus neue Energie.

Und dazu gehört der Regievorschlag 6.

Es gibt in Ihrem Unternehmen unendlich viele Potentiale in jeder Abteilung. Ihren Darstellern ist es vielleicht langweilig geworden – jeden Tag dasselbe Stück, jahrelang.

Wer kann da noch Temperament entwickeln. Stören Sie ! Fordern Sie! Verlangen Sie einen neuen Blick. Und geben Sie die Freude am Erfolg zurück.

Ich darf Ihnen ein Beispiel nennen: In meiner Rollenoffsetorganisation EWA ist etwas revolutionierendes geschehen und es wiederholt sich. Da kommen Wettbewerber zusammen und legen ehrlich ihre Leistungsdaten auf den Tisch und vergleichen sich –

benchmarking heißt das Stück. Das haben sie wirklich getan! Ungewöhnlich und erfolgreich.

Jeder hat profitiert durch den Wettbewerbsgedanken und durch externe Kompetenz, weil der Prophet im eigenen Land oft nicht gilt. Da haben eingefahrene Profis plötzlich was anderes gemacht. Nicht die hochkomplizierten Erfindungen – sie haben Gewohnheiten geändert, ganz simple Dinge und haben plötzlich gewaltig den NG erhöht, den Papierverbrauch gesenkt. Sie haben Varianten in das alte Spiel gebracht. Und damit zum Teil gewaltig ihren Gewinn verbessert.

Schaffen Sie Bündnisse für Erfolg, intern und extern. Vielleicht sitzt gerade jetzt jemand neben Ihnen, der mit Ihnen zusammen ein Stück spielen könnte. Sprechen Sie ihn an, den Kollegen.

Sie werden gleich beim Viertele die Akteure treffen: aus einer anderen Druckerei, von Müller Martini, Lüscher oder MAN oder Krause oder Agfa.

Wenn die nun mit Ihnen reden, sagen Sie ihnen, sie sollen schnell ihr Verkäuferseminarwissen an der Garderobe abgegeben, sie wollen nämlich mit Ihnen Klartext über ein neues Stück zum Erfolg sprechen.

Lehnen Sie dieses unechte Getue ab, es bringt Sie zurück, verschwendet Ihre Zeit. Sie wissen vielleicht noch nicht wie und was. Aber machen Sie einen Termin, um ein Regiebuch zu schreiben in dem aber schon drin steht, wann das Stück gespielt wird. Sonst passiert nichts.

Warum sind viele Veranstaltungen so wenig nachhaltig, ausgelutscht, langweilig. Warum fragt man sich hinterher immer wieder, ob man nicht lieber ins Theater gegangen wäre statt sich dieses Theater anzuschauen. Weil nichts folgt. War nett, war gut und tschüss bis zum nächsten Mal, wenn uns wieder einer Frikadellen in die Ohren quatscht. (Oder hier sind’s wohl eher Nürnberger Rostbratwürstchen).

Meine Prognose für die Druckindustrie ist insgesamt nicht rosig und da liegt gleichzeitig die Chance, die ist gut.

Vier kurze Bereiche über die viel geredet wird:

1. Konzentrationsprozesse werden sich fortsetzen. Der Trend zur Größe hält an, insbesondere im Rollenoffset – nutzen Sie die Chance, Sie halten den Trend nicht auf.

Erhalten Sie bei Fusionen und Wachstum die mittelständische Struktur, dann werden Sie besser sein als die Großkonzerne. Die Firma Appl hier im Süden oder die Evers/Frank-Gruppe im Norden machen das beispielhaft.

Im Übrigen bin ich langfristig, ganz langfristig sicher: Der Mittelstand kommt in die Druckindustrie zurück, wenn die Konzerne in Ihrer Struktur die Flexibilität für die Anforderungen des Marktes nicht mehr bieten.

2. Der Preis wird noch lange ein entscheidendes Kriterium bei der Auftragsvergabe bleiben. Hören Sie nicht auf die Märchen aus 1000 und 1 Nacht, die Ihnen etwas anderes erzählen sondern bereiten Sie Ihre Struktur darauf vor. Schreiben Sie ein Drehbuch für dieses Spiel.

3. Die Globalisierung wird bleiben. Die kann keiner abstellen, weil die keiner angestellt hat. Die hat keine Arme und Beine. Sie ist! Sie werden daraus Vorteile schaffen, wenn Sie diese akzeptieren.

4. Osteuropa ist keine Bedrohung für die Druckindustrie! Wer Ihnen als Mittelständler der Druckindustrie rät, Sie sollten dort investieren statt hier, der ist wahrscheinlich kein Freund. Der will Sie loswerden! Sie müssen doch mit! Es ist bekannt: „Die Schweine werden nur unter den Augen des Bauern fett“ – Hic Rhodos hic salta! Machen Sie in unserem Land den Erfolg! Es geht!

Liebes Publikum, meine verehrten Damen und Herren – ich würde Ihnen gerne noch viel konkretes sagen, doch der letzte Sinn dieses Theaterstücks und der letzte Sinn meines Vortrages ist der, aufzuhören.

Ja, Sie sind zu retten, ja, Sie haben Zukunft, gerade Sie, weil Sie heute hier sind und sich an die Regieanweisungen des Göttlichen halten.

Lieber Herr Finkbeiner, lieber Herr Frey, liebe Spieler auf den Druckerbrettern, die die Welt bedeuten, vielleicht geht vom Dehnberger Forum eine neue Spielzeit aus in der Geschichte der Branche. Einfach mal wieder das tun, was richtig ist, einfach mal Regie führen, auch wenn nicht alle das Stück lieben.

Ich habe keinen Prolog gebracht, weil ich Ihnen das Chorsingen ersparen wollte. Gestatten Sie mir aber einen kurzen Epilog.

Warum werden viele einleuchtende Änderungen nicht umgesetzt? Weil es neu erscheint. Weil Gewohnheit der härteste Klebstoff der Welt ist. Zudem: Sie fragen sich vorsichtig, ob das nicht zu gefährlich ist.

Wenn – so der Gedanke – es richtig wäre, was man da denkt, dann hätte es doch schon einmal jemand gemacht.

Dazu der kurze Dialog von Gregory Batson:

Sohn: Papa, stimmt es, das Väter immer klüger sind als deren Kinder?

Vater: Ja, mein Sohn, so ist das.

Sohn: Aber warum hat dann nicht der Vater von James Watt die Glühbirne erfunden?

Meine Damen und Herren, es war wunderbar Ihre Aufmerksamkeit zu genießen. Sie haben als Branche allen Grund zu Erfolg und Optimismus. Gehen Sie nach Hause, schreiben Sie Ihr eigenes Drehbuch, führen Sie Regie und:

Tragen Sie Ihren Vers bei zum Spiel der Mächtigen und Erfolgreichen.

 

 

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