Presse und Verlautbarungen

Überkapazität oder Preisharakiri? „Auf ein Wort“ Druck & Medienmagazin Juni 2006

08.06.2006

Die Preis-Todesspirale dreht sich weiter und fordert ihre Opfer.
Beschleunigt wird dies durch Preiserhöhungen der Lieferindustrie. Die Fachzeitschriften widmen den Lieferanten, die ja durch ihre Anzeigen die Fachzeitschriften finanzieren, viele Seiten, diese Preiserhöhungen zu begründen. Die Drucker müssen ihre eigenen Kostensteigerungen ebenso verkraften, wie die ihrer Zulieferer ohne diese voll am Markt weiterzuberechnen. 

Das ist wirtschaftlich untragbar und auch ein Zeichen eines mangelnden Selbstbewusstseins in der Branche. Von den Fachzeitschriften ist zu erwarten, dass sie sich mehr als pressure group ihrer Leser zeigen und ständig die Notwendigkeit zur Erhöhung der Druckpreise verkünden statt nur die der Lieferindustrie.

Zum Thema Überkapazität: Ich bin sicher, dass der Preisverfall deutlich stärker ist, als die Kapazitätsentwicklung dies notwendig macht (ich meine hier nicht den Tiefdruck). Im Gegenteil: Im Rollenoffset sind seit September 2006 bis heute die Kapazitäten ausgelastet, zum Teil wird händeringend nach Kollegenhilfe gesucht – dennoch sind die Preise unter Wasser.  2 Monate Auslastungsprobleme sollten anders gemanagt werden. Man muss nach den betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten derjenigen fragen, die sich zu Schweinepreisen voll pumpen, um dann die Aufträge auszulagern, die sie nicht schaffen. Die straffere Führung des Verkaufs erscheint mir in einem oder anderem Fall angebracht zu sein. Eine Unternehmenspositionierung auch. Das Argument, Nischen zu suchen ist überwiegend Theorie. 90% der Produkte brauchen keine Nischenanbieter!

Ergebnis: Selbstbewusstsein und unternehmerischer Mut und Selbstverständnis müssen wachsen, den Kunden Preiserhöhungen zu verkaufen, um selbst Geld zu verdienen. Der Printbuyer muss sich darauf einstellen, das kann gar nicht oft genug publiziert werden. Nicht vergessen: Nicht die Kunden machen die Preise, sondern die Drucker selbst.
Gegen Investitionen ist übrigens nichts zu sagen, wenn sie denn wirtschaftlich durchdacht sind.
Wer das nicht tut, verschwindet vom Markt und das ist gut so, denn das gehört auch zur Marktwirtschaft und die wollen wir doch alle, oder?

Problematisch wird es dort, wo in die Gesetzmäßigkeiten des Marktes eingegriffen wird – also durch Subventionen oder auch Ausuferungen des Insolvenzrechtes.

Analysieren Sie ihre Tretmienen im Unternehmen und erhöhen Sie die Preise. Wenn erst mal der Damm der Unterwürfigkeit gebrochen ist, geht es aufwärts.
Bei allem Wettbewerbsdenken, hier muss das gemeinsame Interesse der Branche mehr Platz greifen und gefördert werden.

 

Güster, 22.05.2006
Michael Dömer

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