Presse und Verlautbarungen

Rede 1. Gipfelkonferenz 02./03.04.1998

03.04.1998

Rede Gipfelkonferenz 02./03.04.1998

Herzlich willkommen meine sehr geehrten Herren zur Gipfelkonferenz Rollenoffset in Hamburg.

Es ist mir eine Freude und besondere Ehre, Sie heute in dieser stattlichen Anzahl zu einer sicherlich besonderen Konferenz begrüßen zu dürfen.


Die spontane Zustimmung und hochkarätigen Teilnehmer zeigen, wie groß der Bedarf ist, etwas zu unternehmen, um eine seit langem andauernde unbefriedigende Situation zu verändern und eine veränderte Zukunft zu gestalten.


Wenn wir einmal gedanklich die Produktionskapazitäten der in diesem Raum versammelten Unternehmen addieren, kommen wir zu einem erstaunlichen "Machtfaktor Rollenoffset in Europa". Zunächst aber sind wir es nicht, sondern Sie sind überwiegend eine Addition von Einzelunternehmen, die sich bemühen, den anderen das Leben zu erschweren - vielleicht sogar unmöglich zu machen. 

In diesem Bestreben geht manch einer selbst an die Grenze seiner Belastbarkeit oder gar Überlebensfähigkeit. Ich möchte das zunächst einmal wertfrei so dahinstellen. Vielleicht ist das ja Marktwirtschaft - nur die Besten überleben.
In der Vergangenheit hat das ja auch irgendwie funktioniert - von einigen Ausnahmen abgesehen. Aber zu welchem Preis? Es war und ist oft eine qualvolle Lust, Unternehmer zu sein. Selbst in Zeiten ausgelasteter Kapazitäten kommen die Preise nicht hoch –statt ’Vollkosten plus X " heißt es oft " Grenzkosten plus X".

Ich kenne die Bilanzen und Gedanken einiger Rollenunternehmen - da sieht es zum Teil nicht fröhlich, zum Teil sogar bedenklich aus. Viele freuen sich, mal wieder ein Geschäftsjahr so hinbekommen zu haben - vom Durchbruch oder sogar Perspektive in eine goldene Zukunft sind die meisten, fast alle, weit entfernt. Man ist bescheiden geworden. Die Rekordmarken an den Börsen lassen sich nicht übertragen.


Und nun kommt etwas Entscheidendes hinzu: mittelfristig wird nach meiner Überzeugung dieser Zustand des Durchhangelns mit Ach und Krach gnadenlos verändert werden. Die Globalisierung steht bereits im Haus. Nun stellt sich für uns hier in diesem Raum die Frage: "Laufen wir in die "Globalisierungsfalle", wie Hans-Peter Martin und Harald Schumann ihren Bestseller betiteln oder folgen wir dem Titel des Zukunftsforschers Matthias Horx in: "Das Zukunftsmanifest - wie wir uns auf das 21.Jahrhundert vorbereiten können". Dies nicht nur zu erörtern, sondern konkret zu werden, ist die Absicht, die ich mit der Durchführung der heutigen "Gipfelkonferenz" verfolge. Es ist interessant, meine Herren, wie oft ich von Unternehmen in der letzten Zeit angerufen worden bin mit der kritischen Frage: "Was wollen Sie eigentlich damit erreichen?", oder gar mit einer Antwort wie:" So eine Konferenz bringt ja doch nichts!"


Exemplarisch möchte ich Ihnen zwei Briefe vorlesen, von Unternehmen, die beispielhaft für solche - gottseidank wenigen -Aussagen sind.

Was ist das für eine unternehmerische Aussage? 2- oder 3 mal auf schwierigem Weg hingefallen, beim nächsten Mal einfach liegen bleiben! Opferrolle statt Unternehmertum. Horx schreibt im Zusammenhang mit einer Arbeitsmarktanalyse "auf dem Arbeitsmarkt besteht Bedarf nach einer Berufsqualifikation, die offensichtlich in diesem Land nicht gelehrt wird": In den nächsten 10 Jahren fehlen in diesem Land zwischen 500.000 und 800.000 Unternehmer. So viele wären allein nötig, um bestehende Unternehmen zu übernehmen. Was - so wurde ich auch gefragt - gibt mir die Kompetenz und den Anlass, mich zum Initiator dieser Konferenz zu machen? Viele aus diesem Kreis kennen mich aus einer jahrelangen Zusammenarbeit.

Ich habe Ende der 70- er Jahre meine berufliche Laufbahn im Management eines großen Tiefdruckunternehmens begonnen. Mit 2.500 Mitarbeitern und erstklassigem Ruf familiengeführt. In den Folgejahren veränderte sich die Struktur im Tiefdruck erheblich. 3 große Druckunternehmen starben in kurzer Folge hintereinander. Statt zu handein wurde die Marktsituation beklagt. Es kam zu größeren Konzentrationsprozessen. Der mittelständische Traum von der Freiheit und Selbständigkeit vielleicht auch ein wenig die Eigenwilligkeit verhinderte für manches Unternehmen das Überleben. Nicht der Markt war Schuld, sondern die fehlende Reaktion darauf. Ich weiß von zaghaften Gesprächen und Absichtserklärungen, die aber mit vornehmer Zurückhaltung und Skepsis geführt wurden und letztlich zu keinem Ergebnis führten.

Nach einer weiteren Zeit als Prokurist in einem 500 - Mitarbeiter -Unternehmen habe ich mich 1986, also vor 12 Jahren selbständig gemacht. Als Berater habe ich intensiv die Entwicklung besonders im Rollenoffset verfolgt. Die Themen und Argumente und die Situation haben sich in den 12 Jahren nicht gewaltig geändert. Abgesehen von kurzfristigen Sondereinflüssen blieb die Situation durchschnittlich bis unterdurchschnittlich.

Ich denke aber, dass sich in den letzten 2 Jahren und besonders perspektivisch für die Zukunft die Situation so manchen Unternehmens zuspitzt. Die Strukturen im Umfeld und für die Unternehmen verändern sich wesentlich schneller als bereits in der Vergangenheit.

Ich hatte 1994 bis 1996 die ehrenvolle Aufgabe, als Berater und Interimsmanager mit Geschäftsführungskompetenz ein Rollenoffsetunternehmen bei der Wiederherstellung seiner Ertragskraft erfolgreich zu unterstützen. Ich habe dabei einmal wieder die Tiefe der Tagesarbeit und damit die gnadenlose Marktsituation, ja eine erpressbare Situation erlebt.

Ebenso habe ich mir die Frage gestellt, die sich - so denke ich - jeder von Ihnen ein paar mal in der Woche oder im Monat stellt: "Wie macht der das? Der kann nicht rechnen!". Also macht man mit, als ob man auch nicht rechnen könnte. Zumindest bleibt man Mitspieler - Bingo -. Am schönsten ist, wenn man bei vollen Kapazitäten oder wegen der aussichtslosen Kundenbeziehung keine Aussicht hat, das Objekt zu produzieren und dennoch einen Dumpingpreis abgibt. Der andere behält zwar den Auftrag, wird sich aber ganz schön seine Rendite versauen, muss er doch auf meinen Preis einsteigen - "Mein ist die Rache".

Besonders beliebt sind die Kunden mit den "Totenglöcklein". Ganze Truppen von Verkäufern werden dort hingeschickt und - weil’s besonders viel Geld kostet, diese Aufträge zu produzieren, fährt sogar der Chef selbst hin, um diese Aufträge zu holen. Die Menge macht’s; Beziehungsmanagement wird zur Prostitution. Der Spezis des Bestattungsunternehmers - genannt Druckmakler -bereitet man einen besonders fürstlichen Empfang - herzlich aber schmerzlich! Das könnte ja noch eine Zeit so weitergehen, irgendwie kommt man schon durch man hat ja die eine oder andere Cashcow und eine langmütige Bank im Hintergrund. Wie lange könnte es so weitergehen, wenn sich unsere wirtschaftliche Welt nicht drastisch verändern, würde:

Liebe Zuhörer, ich bin davon überzeugt, dass wir vor einem Wandel stehen, der nicht durch die Elektronik oder die Verdrängung durch andere Medien ausgelöst wird, sondern durch erhebliche Strukturveränderungen bei unseren Lieferanten, Kunden und der internationalen Wettbewerbssituation - auch in der Druckindustrie. Nicht ungefährlich ist folgende Situation: Es läuft schlecht - alle Erkenntnisse führen zu dem festen Entschluss; nun muss etwas passieren. Wir ändern unsere Politik - Gesagt - nicht getan. Erst keine Zeit, weil’s ja so schlecht läuft - dann wird’s plötzlich etwas besser und —alle Vorsätze sind dahin - bis zum nächsten mal.

Andere Branchen leben bereits in einem gigantischen Konzentrationsprozess, europaweit, weltweit. Sie wissen das aus Ihren Kundenbeziehungen sehr genau. Der Einzelhandel hat sich zu einem wirtschaftlichen Machtfaktor ersten Ranges entwickelt. Unsere Null-Inflation ist sicher nicht zuletzt Ergebnis eines gnadenlosen Kampfs der Giganten. Der Umgang mit Lieferanten hat Wildwestcharakter.

Diesen Kampf können unsere Kunden nur durchhalten durch ein gnadenloses Kostenmanagement - untereinander werden im globalen Verdrängungswettbewerb neue Lieferantenstrukturen geschaffen. Wir brauchen gar nicht zu der Strategie des von einigen durchgeführten Singlesourcing zu gehen. Es reicht die vorherrschende Tendenz, die Anzahl der Lieferanten deutlich zu reduzieren. Diese Reduzierung führt zu einer weiteren Preisspirale nach unten. Immer mehr internationale Mitspielersteigen ein.

Die Stücke, um die man sich streitet, werden größer, ja - aber es wird sich auch noch stärker und noch härter darum bemüht. Entweder ich verliere alles oder ich bekomme alles. Die Kriterien, nach denen Ihre Kunden Aufträge vergeben, werden neben dem Preis und ich sage bewusst neben dem Preis auch das Zutrauen sein, wie sicher sind Sie, wir groß ist Ihre Kapazität, reicht Ihr Backup für eine ständige Liefersicherheit, arbeiten Sie international, können Sie vernetzte Strukturen anbieten und und und. Und das wollen Sie und Ihre nächste Generation als alonesome Cowboy mit 100,150 oder 250 Mitarbeitern auf der Alp. Im Allgäu, am Niederrhein oder an der Westküste so sicher stellen?

Die Großen rüsten bereits auf; entweder sie haben eine solche sehr gute Infrastruktur und Vernetzung oder kapitalstarke Strukturen. Einige haben den Gang an die Börse gemacht und sind groß genug, um sich dort Kapital zu beschaffen, andere - vielleicht wissen Sie davon - sind in diesen Wochen und Monaten bereits in Gesprächen über mehr Miteinander, vielleicht sogar Zusammenschlüsse oder Verkäufe. Lassen Sie mich auf eine sehr verwandte Branche kurz schauen: die Verpackungsdruckindustrie.

Ich bin seit ca. 1 1/2 Jahren von einem dänischen Konzern als Generalmanager zur Wiederherstellung der Ertragskraft des deutschen Tochterunternehmens mit 180 Mitarbeitern und ca. 50 Mio. Umsatz eingesetzt. Die Strukturen dieses Branchenbereichs haben sich bereits erheblich verändert. Kommunikation findet auf internationaler Ebene statt. Verbandstagungen wie zuletzt in Istanbul und Nizza führen zu internationalen Vernetzungen. Es gibt kaum noch ein typisches Familienunternehmen, wie wir es im Rollenoffset kennen. Wenn, dann klein mit einer speziellen Nischenproduktion. Die anderen haben sich usammengeschlossen oder sind von großen Konzernen am Ende ihrer Kraft aufgekauft- bzw. übernommen worden. Besonders pfiffige Unternehmer haben vor einigen Jahren zum richtigen Termin verkauft und noch gerade Kasse machen können.

Die Alternative wäre später wahrscheinlich der Gang zum Konkursrichter gewesen. Der Trend geht weiter. Durch die starke internationale Struktur der Kunden entsteht die Situation, dass die Konzerne den Preiskampf untereinander aufgenommen haben. Viele noch existierende Mittelständler und kleine Konzerne kämpfen erheblich. Die Österreichische Meyer-Mellenhoff-Gruppe ist in ihrem Hunger nicht zu stillen. Die Aktiengesellschaft betreibt einen massiven Preiskampf und übernimmt ein Unternehmen nach dem anderen. 4 P- Nikolaus wurde kürzlich vom holländischen Konzern Van Gnechten übernommen.

Andere, wie ECA kämpfen. Ich bin überzeugt auch hier wird es eine weitere internationale Konzentration geben. Diese Prognose ist auch durch die Entwicklung im Kundenbereich zu erklären, die uns ebenfalls für unsere Branche Beispiele für Entwicklungen darstellt. Mir persönlich sehr bekannte Fälle sind zum Beispiel:   Die Firma Johnson + Johnson kaufte früher über ihre Firmen in Wuppertal und Kiel Druckprodukte ein - in diesem Jahr geben internationale Wettbewerber der Verpackungsindustrie ihre Angebote in Brüssel ab. Es werden wesentlich mehr angefragt, aber wesentlich weniger dürfen sich den Kuchen teilen. CPC in Heilbronn mit Produkten wie Pfanni usw. müssen ihre Preise in USA rechtfertigen, bekommen Order, ihre Lieferanten deutlich zu reduzieren. Schlechte Preise werden noch schlechter dafür die Volumen größer. Die allen bekannte Firma Kellog konzentriert ihr Einkaufsvolumen auf ganz wenige. Bisherige Lieferanten so auch ein mittelständischer Drucker hier in Hamburg müssen Leute entlassen. Die Firma Agfa in Leverkusen hat wie viele andere das Projekt "Internationales Beschaffungsmarketing11 laufen. Ein weiterer Trend ist das sogenannte Backselling. Materiallieferanten gehen an große Endabnehmer und gewähren Boni, wenn der Kunde seinem Drucker vorschreibt, welches Material er zu nehmen hat. Ich könnte noch weitere Beispiele aus diesem Bereich aufzählen, den ich zwar nicht 1:1, aber tendenziell auch für den Rollenoffset in der Zukunft als möglich ansehe.

Große Kunden erfragen heute und in Zukunft stärker nach den Strukturen der Unternehmen. Wie sind die Vorbereitungen auf die Globalisierung und Internationalisierung. Vielleicht haben Sie auch schon Fragebögen ausfüllen dürfen.

Sie werden uns mit Sicherheit Beispiele aus Ihren Bereichen mit ähnlicher Tendenz erzählen können. Ich möchte da nur das Thema Metro oder Quelle/Karstadt aufzählen. Wer in den USA war, kann über ähnliche Entwicklungen dort berichten.
Die Untersuchungen der Maschinenlieferanten zeigen deutlich im Rollenoffset einen Trend zu High Volume Printing....

Sie brauchen als Unternehmen wesentlich mehr Geld für diese Investitionen mehr Forschung und Entwicklung, wesentlich tiefere Marktinformationen und internationale Marktdurchdringung. Und das alles wollen Sie auf Dauer auf Ihren Inseln mit erheblicher Kraft gegen größer werdende Strukturen schaffen? Ist das wirklich tragfähig, ist das sinnvoll?

Was also ist die Konsequenz? Warum sitzen wir hier zusammen? Welche Antworten können Sie sich selbst geben, vor welchen drücken Sie sich vielleicht aus Ihrem tiefsten Unterbewusstsein. Wo sind die Hürden, die es so schwierig machen oder ist gar die Analyse falsch, heißt es: Weiter so, Rolle? Natürlich können wir uns an diesen beiden Tagen darüber unterhalten und vielleicht sogar Entscheidungen treffen, ob man sich vornimmt, in Zukunft der Betriebswirtschaft einen höheren Stellenwert einzuräumen. Ich muss, auch wenn wir unter uns sind, mit meinen Vokabeln etwas aufpassen. Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten wesentlich vernünftiger über Preisstrukturen zu sprechen. Muss es sein, dass im Kampf um ausgelastete Kapazitäten die Preise ständig fallen, dass Kunden oder besagte Drucksachenvermittler das üble Spiel des gegenseitig Ausspielens beherrschen, weil man sich so uneins ist? Kann man nicht auch einmal gemeinsam ein "Schwarzes Schaf in die Zange nehmen? Es ist nicht immer gleich alles verbotenes Kartell.

Das ist aber nicht das Eigentliche warum wir in diesen beiden Tagen zusammenkommen. Das wären nur kurzfristige Effekte, von denen ich befürchtete, dass sie auf Dauer keine Stabilität haben. Die eigentliche unternehmerische Frage, die mit dem Start dieser heutigen Konferenz die Branche zu einer industriellen Zukunft führen könnte, heißt: Neue Strukturen, größere Einheit, gesellschaftsrechtliche Vernetzung!

So schön sich das Wort der strategischen Allianz oder der Kooperation auch anhört - ich habe mehr als Zweifel, ob es ohne eine gesellschaftsrechtliche Vernetzung geht.

Lassen Sie mich am Ende meines einführenden Vortrags ganz konkret, vielleicht etwas visionär oder auch provozierend fordern: Wir haben im Rollenoffset eine große Chance, durch Initiative und starke Vernetzung von Kapazitäten in Deutschland und mit unseren Nachbarn zum Beispiel in Holland und Österreich eine europäische ja die europäische Bedeutung als Partner großer Kunden zu gewinnen. Die Alternative heißt, in vergleichsweise kleinen und Kleinststrukturen sich zu Tode rüsten und reif für die später freundliche Übernahmen der jetzt handelnden Akteure zu werden

Wo liegen die Schwierigkeiten? Auch dies wieder etwas provozierend und nicht verletzend gemeint. Es ist die vielfach fehlende industrielle Denke und der Blick in den Rückspiegel zur guten alten Zeit des Mittelstandes. Keine Frage:

Der Mittelstand hatte in Deutschland immer eine sehr große Bedeutung. Ich bin auch weiterhin für mittelständische Strukturen innerhalb von Einzelunternehmen unter einem großen Dach. Was vielen offensichtlich weh tut, ist Selbständigkeit aufgeben zu müssen. Der typische mittelständische Unternehmer ist meist eine eher eckige Persönlichkeit - gerade deshalb war er immer so erfolgreich. Sein handwerklich strukturierter Betrieb ist zu einem Industrieunternehmen geworden. Viele - vielleicht sogar die meisten beherrschen diese Strukturen auch noch, er tut sich aber schwer, mit dem ein oder anderen ebenfalls eckigen Unternehmer etwas in einen Topf zu werfen. Das Denken "der andere könnte von meinem Fleiß mehr profitieren als ich von seinem" blockiert notwendige Strukturen von morgen.

Die Aufgabe einer späteren Selbständigkeit für ihn oder seine Kinder wird bitterer als heute eine Einheit zu bilden. Die komplexen Industrieprozesse der Globalisierung sind als pure Einzelkämpferaktionen eine hoffnungslose Angelegenheit.

Wir benötigen, pünktlich zur Jahrtausendwende, andere Strukturen in unserer Branche - auch in Vernetzung mit benachbarten Branchenbereichen. Wir brauchen diese in der Druckindustrie genauso, wie sie sich im gesamten Wirtschaftsleben derzeit vollziehen und wie sie sich auch in unserer Gesellschaft und dem Staat vollziehen. Hier beginnt unser gemeinsames Projekt, dass ich mit dem Arbeitsbegriff Teamkonferenz oder European Web Association zu beschreiben versuche: Die Kontrakte, in denen wir die Bedingungen der Globalisierung innerhalb der hier versammelten Unternehmen neu verhandeln und neue Systeme aufstellen. Meine Vision einer baldigen Realität ist es, einen dritten Weg zu finden, sozusagen eine Synthese zwischen den heutigen vielen kleinen Einzelinseln von Unternehmen auf der einen Seite und den unbeweglichen Mammutkonzernen auf der anderen Seite.

Vielleicht sind diese beiden Tage nur ein erster Schritt - Sie müssen aber auf jeden Fall mehr sein, als ein "Stammtischkonsens".

Wo unsere Gedanken auch nicht stehen bleiben dürfen ist dort, wo der Verfasser des Briefes, den ich eben vorgelesen habe, steht; nämlich, dass wir schon in einem sehr frühen Stadium das Denken über die Zukunft verweigern, weil uns jedes Fünkchen von einer Vision fehlt. Entweder, wir bleiben so anmaßend wie bisher - und meinen, wir könnten auf dem Alten beharren und das Neue, was um uns herum schon weit fortgeschritten ist negieren und die Chancen vernachlässigen oder wir entwickeln sehr pragmatisch eine neue Struktur, die den neuen Bedingungen angemessen ist.

Meine Zielsetzung für heute und morgen ist es, einen Anfang zu machen von ganz konkreten und schonungslosen Gesprächen zwischen Unternehmern, die in den nächsten Wochen und Monaten zu neuen Konstruktionen zusammenfinden und damit eine langfristige Sicherung auch für die nächste Generation vorbereiten.

Deshalb meine ausdrückliche Bitte für diese beiden Tage: Sie sind sich im Tagesgeschäft oft harter Wettbewerber manchmal kollegialer Freund, selten oder nie Partner mit einem gemeinsamen Portemonnaie. Reden Sie dennoch offen und unkompliziert miteinander über jeden noch so möglichen oder unmöglichen Gedanken. Nutzen Sie die Zeiten zwischen dem Plenumgespräch besonders auch am morgigen Tag. Nur wer die potentielle Braut anspricht oder auf sich aufmerksam macht, ja sie vielleicht sogar anbaggert, hat eine Chance sie später zu heiraten. Lassen Sie uns nun mit einer offenen und kritischen Bestandsaufnahme beginnen und auch durchaus meine Thesen zur Diskussion steilen. Lassen Sie uns miteinander reden, und etwas Neues daraus entstehen lassen. Wie sagte neulich ein Toyota -Manager? ich zitiere "vor wem ich wirklich als Konkurrenz Angst habe, sind die Deutschen, wenn sie jemals lernen, wie sie miteinander sprechen sollen."

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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