Presse und Verlautbarungen

Rede 2. Gipfelkonferenz 18.06.1998

18.06.1998

Rede Gipfelkonferenz 18.06.1998

Meine sehr geehrten Herren,

ich begrüße Sie herzlich zur 2. Gipfelkonferenz Rollenoffset und gleichzeitig zu unserer 1. Mitgliederversammlung der Europan Web Association.

Ich möchte mich zunächst bei Ihnen für die vielen spontanen Anrufe und persönliche Schreiben bedanken, in denen Sie mir nach unserem Meeting im April Ihre positive Beurteilung, ja z.t. Begeisterung mitgeteilt haben.

Der beste Beweis für Ihr Interesse ist es, dass Sie bis auf eine Ausnahme - Hr. Gansser, Fa. Fink lässt sich aus terminlichen Gründen entschuldigen - alle wieder hier in HH sind. Und nun sind weitere Kollegen dazugekommen, die ich ebenfalls herzlich begrüße. Ich hatte lediglich wie verabredet die nochmals angesprochen, die beim letzen mal nicht kommen konnten, ich bin sicher, unser Kreis wäre noch größer, hätten wir darüber hinaus informiert.

Ich habe in meinem Grundsatzreferat beim letzten mal ausführlich meine Thesen über die Zukunft und die Ziele der Gipfelkonferenz Rollenoffset vorgetragen. Ich möchte dies heute nicht wiederholen, sondern habe mir erlaubt, den Redettext den Teilnehmern als Unterlage zu fotokopieren, die beim letzten mal nicht dabei waren.

Ich möchte allerdings zum Auftakt noch zu folgenden Punkten etwas ausführen bzw. einführen:

1. Meine These, dass sich die Strukturen der Branche verändern würden, haben sich für mich in der kurzen Zeit bis heute bestätigt: Die Globalisierung macht nicht halt vor dem Rollenoffset.

2. Wer nur hierher kommt, weil er glaubt, Preise absprechen zu können und damit den jetzigen Zustand seines Unternehmens unverändert zu lassen, der wird auf Dauer nicht nur enttäuscht, sondern resigniert bis wütend sein, dass sein Verbandskollege ihn "hintergeht". Deutlich gesagt: Es wird nicht um Preisabsprachen gehen, wir sind kein Kartell! Positiv ausgedrückt: Die EWA hat eine ungeheure Gestaltungsmacht, wenn sie unternehmerisch mit der entsprechenden Komplexität wirklich genutzt wird.

3. EWA heißt auf der einen Seite nicht Ende der Marktwirtschaft in unserer Branche, nicht "backe backe Kuchen" - anderseits aber auch nicht Debattierclub als Stammtischersatz oder eine neue Variante eines gescheiterten Verbandswesens. Wir müssen uns also ein paar Regeln geben, wie wir mit den Themen + Beschlüssen im Tagesgeschäft umgehen und vielleicht auch gewisse eigene "Sanktionen" auferlegen, wie mit Verstößen umzugehen ist für die nächsten Jahre.

Gerade am Anfang einer hoffentlich sehr effizienten Arbeit der EWA bin ich hierzu auf Ihre Meinung gespannt.

Ich möchte diese 3 Aussagen kurz untermauern. Zu 1. Die Strukturen der Branche ändern sich.

Sie wissen aus meinem ersten Vortrag, wie wichtig mir dieses Thema ist. Die nationale + internationale Konzentration von Einkaufsmacht wächst, der internationale Wettbewerb wird größer + härter, die Finanzkraft nimmt fast proportional mit dem eigentlichen Finanzbedarf ab. Dieses Thema ist mittelfristig und unsere Sitzungen werden - wie beim letzten mal - sich nicht schwerpunktmäßig mit diesem Thema beschäftigen. Ich war allerdings sehr positiv beeindruckt, wie viele Anrufe + Besuche sich an die 1. Gipfelkonferenz anschlössen, die das Thema Unternehmensverkauf - und Zukauf, Übernahmen oder Abgabe von Gesellschafteranteilen betraf.

Ich erfuhr durch Gespräche in Konzernen, "beginnenden Konzernen" oder auch z.b. mit deutschen Beteiligungsgesellschaften, dass "hinter den Kulissen" aktuell so manches verhandelt wird, was meine These bestätigt. Natürlich wollen Sie nicht vor versammelten Wettbewerbern darüber reden - ich empfehle aber mit der gleichen Vehemenz wie beim letzten mal: nutzen Sie diese Runde, um Ihr Unternehmen durch die Anbahnung von gesellschaftsrechtlich veränderten Partnerschaften  zu stabilisieren.

Nochmals: Lassen Sie sich nicht beim ständigen Blick in den Rückspiegel von anderen überholen. Lassen Sie uns neutral hier darüber reden, wie wir das organisieren können. Dazu ist Offenheit, auch unkonventionelles Denken notwendig. "We walk the talk" - "wir tun was wir sagen" muss ein Grundsatz sein. Wir lernen uns bei jedem Treffen besser kennen und finden gemeinsame Wege. Strukturveränderungen in der Branche werden gemacht, sie entstehen nicht von selbst. Offensiv diese Dinge anzugehen bleibt besser, als gezwungen zu werden.

Gerade auch in diesem Punkt sehe ich meine Rolle als Mittler von Gesprächen.
Zu 2. Ich möchte Ihren + unseren Optimismus der EWA stärken, Euphorie aber bremsen. Neben den vielen Zustimmungen habe ich in der Zeit dazwischen auch Molltöne gehört: "Es hat ja doch keinen Sinn - Herr X hat mit einem Auftrag gnadenlos über den Preis abgeschlossen"
oder:

"Was soll ich tun, ein Mitarbeiter eines EWA-Unternehmens hat sich bei mir beworben"

Auch über diese Themen müssen wir uns kurz aber offen unterhalten. Es ist selbstverständlich ein wesentlicher Bestandteil dieses Kreises, die Branchensituation deutlich zu verbessern. Durch mehr Kommunikation können wir es vermeiden, ausgetrickst zu werden. Ich warne aber vor der Illusion, den Erfolg dieses Kreises daran zu messen, ob es keine Auftragsbewegungen über den Preis mehr gibt!

Bevor wir nun mit unserer Konferenz beginnen kurz ein paar Vorschläge zum Ablauf.

1. Ich denke, wir sollten inhaltlich starten und in der Zeit nach dem Mittagessen einige Themen zur Organisation unseres Kreises besprechen, um uns dann wieder inhaltlichen Fragen zuzuwenden.

Ich habe zu beiden Themenkreisen Papiere in Ihre Vorlagemappe gelegt.
Die erste Gipfelkonferenz zeichnete sich auch dadurch aus, dass wir durch 2 Tage Zeit und ein Rahmenprogramm genügend Gelegenheit zu informellen Randgesprächen hatten. Auf Ihren Wunsch hin ist diese Tagung "eintägig"!

Wir hatten uns allerdings darauf verständigt, den Abend einzubeziehen und erst am nächsten Morgen abzureisen. Ich bitte Sie unbedingt zu vermeiden, am Nachmittag in Aufbruchstimmung zu geraten und nach und nach die Tagung zu verlassen. Zum einen stört das den Kreis, zum anderen wollen wir auch zu Beschlüsse kommen, die jeder mittragen soll.

Von großer Bedeutung sind die Gespräche in den Pausen und am Abend.
Ich will nicht oberlehrerhaft klingen, empfehle Ihnen aber aus "alter Erfahrung": wechseln Sie die Tische und Gesprächspartner! Dieser Kreis lebt von Kommunikation, Offenheit + der direkten Ansprache. Haben Sie den Wunsch, gezielt mit jemanden bekannt gemacht zu werden, stehe ich natürlich zur Verfügung. Ich habe mit dem Hotel vereinbart, dass das Mittagessen einmal anders stattfindet - im Stehen als Kommunikations-Erleben. Wir sitzen den ganzen Tag - so bewegen wir uns und wechseln die Gesprächspartner.

Meine Herren,
Beim ersten Treffen haben wir festgestellt, welche enorme Rollenkapazität versammelt war. Nun sind weitere Unternehmen hinzugekommen und wir bilden tatsächlich einen Macht- oder Kapazitätsfaktor in Deutschland und für Europa. Lassen Sie uns diese Chance erkennen und nutzen statt skeptisch zu sein, ob vielleicht eine Erwartung nicht erfüllt wird.

Jedes Thema, jeder Kontakt, jede Idee und Umsetzung, auch wenn es nur Teile sind, führen weiter als das Bisherige. Lassen Sie uns für den Rollenoffsetmarkt etwas in Bewegung bringen. Es lohnt sich und wird funktionieren, weil wir es so wollen.

Ich wünsche uns gutes Gelingen.

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